So viel Programmatik war selten: "Bei der vorliegenden Untersuchung handelt es sich um eine Interpretation der ersten drei Kapitel des 'Kapital'." So viel Reduktion noch nie: "in den drei zur Diskussion stehenden Kapiteln des 'Kapital' [geht es] um nichts anderes als um diesen 'Satz'": "Die Entwicklung der Widersprüche der Ware hebt diese Widersprüche [die im Aus-tauschprozess der Waren enthaltenen widersprüchlichen Beziehungen] nicht auf, schafft aber die Form worin sie sich bewegen können." (MEW 23, 118) Damit ist das Feld für Wolfs Kapitalinterpretation abgesteckt.
Wolf beginnt mit einem Patzer zur abstrakten Arbeit, bekanntlich der "Springpunkt", um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht. Da Ambivalenzen und Naturalismen in Marx' Bestimmungen abstrakter Arbeit, auf die schon in den 1920er Jahren I. I. Rubin hingewiesen hat, außerhalb seines eingeschränkten Interpretationshorizontes liegen, wirft Wolf die Frage nach der Bedeutung abstrakter Arbeit in nicht-kapitalistischen Gemeinwesen auf.
In diesen soll bereits die Verteilung der gesellschaftlichen Gesamtarbeit deren Gleichsetzung implizieren. Abgesehen davon, dass Wolf die Frage nach dem Totalitätscharakter der Kategorien des Kapital desartikuliert, scheint hier eine Einebnung der Differenz von 'abstrakt-menschlicher Arbeit' und 'abstrakt allgemeiner Arbeit', wie sie von Marx in Zur Kritik der politischen Ökonomie entwickelt wird, vorzuliegen.
Wolfs Stärken liegen woanders – in der Thematisierung des Widerspruchsbegriffs. Die "wesentliche[n] Unterschiede" zwischen Hegel und Marx hervorhebend, stellt er heraus, dass zwischen Gebrauchswert und Wert keine "wie immer auch zu-rechtkonstruierte, seinslogische Identität" besteht, sondern vielmehr "ein Repräsentationsverhältnis in dem Sinne, dass der Wert als gegenständlicher Ausdruck gleicher menschlicher Arbeit sich im Gebrauchswert einer anderen Ware darstellt". Gegen H.-G. Backhaus erhebt Wolf in diesem Zusammenhang den Vorwurf der Vermengung von Gebrauchswert und Wert. Dabei behauptet er zu Unrecht, es gäbe die darstellungslogische Schwierigkeit der Vermittlung von Form und Substanz des Werts nicht.
In ähnlicher Weise wie Backhaus soll auch G. Göhler dem Gebrauchswert verhaftet sein. Gegen dessen Konstruktion eines 'logischen Widerspruchs' zwischen Gebrauchswert und Wert durch die Bildung der 'Äquivalenzrelation des Austauschprozesses' mit der 'Nicht-Äquivalenz der Wertform' setzt Wolf zu Recht die Relevanz der verschiedenen Betrachtungsebenen des Arbeitsprodukts – "einmal unter dem Aspekt seiner unmittelbaren Existenz als Gebrauchswert und zum anderen unter dem über seine Beziehung auf die anderen Arbeitsprodukte vermittelten Aspekt als die den anderen Arbeitsprodukten gleiche Vergegens-tändlichung abstrakt-menschlicher Arbeit".
Etwas ärgerlich ist dabei nur, was en passant stattfindet – "Der Gebrauchswert ist nichts Gesellschaftliches." – bzw. unterbleibt: die formanalytisch bestimmte Notwendigkeit des allgemeinen Äquivalents und der "Verweis auf den wirklichen gesellschaftlichen Entstehungsprozess des Geldes" werden nicht als Argumente gegen die Geldware expliziert.
Interessant sind die Ausführungen zum Krisenbegriff. Wolf setzt ihn gemäß dem Abstraktionsgrad seiner Untersuchung bei der inneren notwendigen Zusammengehörigkeit von Gebrauchswert und Wert sowie deren gleichgültigen selbständigen Existenz gegeneinander an. In der Krise komme es allerdings nicht einfach zur Zurücknahme der Selbständigkeit beider Widerspruchspole. Vielmehr gehe es darum, "die Verabsolutierung der Trennung abzuschaffen, aber nicht die Trennung selbst, ohne die es Waren und Geld genauso wenig gibt, wie ohne die innere notwendige Zusammengehörigkeit".
Bezweifelt werden sollte jedoch, dass die Krise "ihrer Möglichkeit und Wirklichkeit nach in den Bewegungsformen des Widerspruchs zwischen dem Gebrauchswert und dem Wert eingeschlossen" ist. 'Möglichkeit' und 'Wirklichkeit' der Krise gehören der Darstellungskonzeption der Grundrisse ('Kapital im Allgemeinen' vs. 'Konkurrenz und Kredit') an, die im Kapital durch die Betrachtung von individuellem Kapital und Konstitution des gesellschaftlichen Gesamtkapitals gesprengt wird.
Abschließend treibt der Autor die Entwicklung des Widerspruchsbegriffs von der Kritik des Hegelschen Staatsrechts zum Kapital um: Marx erkenne in der Kritik der politischen Ökonomie, dass der Widerspruch von Gebrauchswert und Wert eine Bewegungs-form finde, in der es eine Vermittlung der Gegensätze gäbe. Dabei sei der späte Widerspruchsbegriff komplexer als der frühe.
So heißt es verquast: "Die Einheit des Gegensatzes von Gebrauchswert und Wert ist eine Differenz innerhalb der Existenz eines Wesens, wobei die Differenz zugleich des Charakter eines 'wirklichen Gegensatzes' besitzt." Wolfs Einsatz lautet: Vermittlung der Widerspruchspole ohne ihre Vermischung. Darin soll "eine im Wesentlichen übereinstimmende Grundstruktur" der Hegelschen Philosophie und des Kapital liegen.
Der in einer solchen Untersuchung dringend nötige, resümierende und kontextualisierende Schluss wird leider durch einen Anhang ersetzt, in dem sich Wolf mit dem abgeschmackten Vorwürfen M. Theunissens und M. E. Langes, Marx habe 'kommunikative Freiheit' nicht denken können und müsse seine normativen Grundlagen ausweisen, auseinandersetzt. Auf diese Habermasianerei hat sich die Kritik der politischen Ökonomie zum Glück nie eingelassen: "normative Antizipation" (Lange, zit. n. Wolf) gibt es hier genauso wenig wie "Standpunkt und sozialistische Perspektive" (W. F. Haug).
