Zwei Beiträge setzen sich mit der von einigen Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen (NGO) geforderten Tobin-Steuer auseinander. Francois Chesnais, Professor für internationale Ökonomie in Paris, nimmt an, daß eine solche internationale Kapitaltransaktionssteuer die Stabilität des internationalen Finanzsystems durchaus erhöhen könnte. Er ist sich bewußt, dass eine solche Steuer Grenzen hat und lediglich einen ersten Schritt zur Re-Regulierung der internationalen Finanzmärkte darstellt. Als Ergänzung fordert er "die Staatsschulden zu streichen, und zwar nicht nur in den ärmsten Ländern, sondern überall dort, wo soziale Bewegungen nicht länger hinnehmen, dass ihre Regierungen den BürgerInnen im Rahmen der Zinszahlungen für die Staatsschuld drastische Sparprogramme aufzwingen." Eine legitime Forderung, die nur von einer starken gesellschaftlichen Bewegung dem Kapital aufgeherrscht werden könnte.
Chesnais gehört dem wissenschaftlichen Rat der Bewegung Attac (siehe den Artikel von Paul Bruns in dieser Ausgabe) an. Sein Rat an Attac ist, in der Debatte über die Tobin-Steuer hinauszugehen, um dem internationalen Finanzkapital nicht in die Hände zu arbeiten. Schließlich werde nach den letzten Finanzkrisen auch von internationalen Finanzinstituten eine Regulierung der Märkte gefordert. Bei dem zweiten Artikel zur Tobintax handelt es sich um einen Auszug aus "Grenzen der Globalisierung", in dem sich Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf kritisch mit den Potenzialen der Tobinsteuer auseinandersetzen (siehe den Artikel von Heiko Balsmeyer in dieser Ausgabe).
Genderaspekte der Globalisierung werden von der in Münster lehrenden Politikwissenschaftlerin Brigitte Young in ihrem Beitrag "Die Herrin und die Magd" beschrieben. Sie führt an, dass die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts mehr Gleichberechtigung zwischen hochqualifizierten Männern und Frauen der Mittelklasse gebracht, gleichzeitig aber die Ungleichheit zwischen den Frauen vergrößert habe. Mit der Globalisierung verändere sich das Geschlechterregime, von ihr definiert als "...institutionalisierte Praktiken und Formen des vergeschlechtlichten Systems der Herrschaft, welche die sozialen Ordnungsprinzipien in allen Gesellschaften konstituieren." Das fordistische Modell des männlichen "Brotverdieners" verschwinde, da es immer mehr Doppelverdiener und meist weibliche Alleinerziehende gebe. Frauen der Mittelklasse greifen auf Hausangestellte zurück, um Karriere machen zu können, und daher feiert das im Titel angesprochene Verhältnis von Herrin und Magd seine Wiederauferstehung. Auch auf andere Weise sind Frauen von der Krise des Sozialstaats besonders hart betroffen. Die Einsparungen im Gesundheitsbereich, bei Altersversorgung und Kinderbetreuung werden durch die unbezahlte Arbeit von Frauen aufgefangen. Die Reprivatisierung dieser Dienstleistungen zerstört die Bedingungen für Frauen, die ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht hatten. Die überwiegend von weiblichen Arbeitskräften ausgeübten Dienstleistungsjobs verschwinden.
Die Globalisierung bringt eine besondere Spielart des Nationalismus hervor, den Standortnationalimus im Zentrum der Gesellschaft. So lautet die These von Christoph Butterwegge, Professor für Politikwissenschaft in Köln. Dieser Nationalismus wolle mit allen Mitteln die "internationale Wettbewerbsfähigkeit" des eigenen Landes stärken. Es entstehte eine marktradikale Rechte, welche die individuelle Leistungskraft hochhält und Schwächere, Minderheiten und Randgruppen radikal ausgrenzt. "Der modernisierte, wirtschaftsliberale Rechtsextremismus will nicht mehr fremde Länder, sondern neue Märkte erobern." Unter Berufung auf "nationale Tugenden" wird die eigene Überlegenheit gegenüber anderen Volkswirtschaften behauptet. Dieser Standortnationalismus dient als ideologisches Scharnier zwischen Liberalkonservatismus und Rechtsextremismus, und dürfte ein Schlüsselelement sein, um die Regierungsbeteiligung der FPÖ in Österreich zu erklären.
Eine anschließende, aus sechs Beiträgen bestehende Diskussion beschäftigt sich mit der internationalen Schuldenkampagne Jubilee 2000, die eine Schuldenerleichterung für einige hochverschuldete Länder forderte.
Letztlich hat die Redaktion der Zeitschrift WIDERSPRUCH eine sehr interessante Ausgabe zusammengestellt, die einen Überblick über verschiedene Aspekte der Globalisierung gibt. Die Kontroversen zwischen den Beiträgen zeigen, dass auch bei den kritischen Intellektuellen großer Diskussionsbedarf besteht, bevor - wenn überhaupt - ein alternatives Globalisierungsprojekt formuliert werden kann. Im Zusammenhang mit den sozialen Widerstandsbewegungen wäre es jedoch wünschenswert gewesen, einigen NGO, sozialen Bewegungen oder Netzwerken eigene Beiträge zu widmen.
