Der von den meisten Teilnehmern favorisierte Veranstaltungsblock war somit auch der, der in der klassischen Antifa-Politik wenig Raum einnimmt: die "politische Bedeutung der Kultur". Unter der Fragestellung "Wie hat eine politische Gegenkultur auszusehen, nachdem das Pop-Modell gescheitert ist und die Ästhetik von Verweigerung und Auflehnung mitunter von anderen kopiert wird?", wie die Jungle World (43/99) kurz vor dem Kongreß zuspitzte, sammelten sich meist bis an die 250 DiskutantInnen - rund die Hälfte der KongreßteilnehmerInnen.
Doch ersteinmal mußte die "postbananischen Zustände" wirklich analysiert werden, ehe die letzte Veranstaltung des "Kulturblocks" am Samstag Zeit zur Perspektivdiskussion ließ. Dabei wurde einiges aufgeboten: Adorno, Gramsci, Foucault - bekanntlich nicht gerade die Theoretiker, die durch ihre Rezeption in der Antifa-Bewegung bekannt sind. In dieser Hinsicht war der Kongreß ein wichtiger Schritt, um aus der Theorielosigkeit der antifaschistischen Arbeit herauszukommen. Nun mag diese Einschätzung aber noch etwas zu optimistisch erscheinen: das Publikum des Verstärkerkongresses war sowohl in Alter als auch theoretischer Kompetenz nicht mit dem Schnitt einer Antifa-Demo zu vergleichen. Und dennoch hat der Kongreß wichtige Anstöße für eine Antifa-Praxis gegeben.
In üblicher Weise hat er aber auch Schwächen aufgezeigt. Etwa 95 Prozent der Redebeiträge kamen von dem männlichen und deutschen Publikum und dies obwohl der Frauenanteil unter den KongreßteilnehmerInnen erstaunlich hoch war. Ebenso trat ein anderes Manko eines nicht unwesentlichen Teils der Bewewgung zutage: die vor zehn Jahren gegründete Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO) steht an ihrem theoretischem Ende. Kostprobe: "Wirksamste Strategie gegen Rechts ist linksradikale Politik." Na denn: weiter so!
Der Rest trifft sich dann auf dem Folgekongreß im nächsten Jahrtausend.
