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Russische Ideen zur Lösung des Konfliktes
Ausgabe 5.0 - 01.08.2000
   

Wenn hinten, weit, in der Türkei, die Völker aufeinanderschlagen

Michael Ignatieff und Oliver Tolmein schreiben über Nationalismus und Krieg.


Der Kosovo-Schock sitzt tief. Die Publikationen zu den Kriegen auf dem Balkan gehen in die dreistelligen Zahlen und die Frage ist, wer sie überhaupt noch liest. Ohnehin geht es meistens bloß um die zu spät erkannte Gefahr ethnischer Konflikte, darum, daß Waffen teuer und die NATO moralisch schlecht ist oder wahlweise die Menschenrechte unabhängig vom Völkerrecht geschützt werden müssen. Hastig geschrieben, richten sich viele dieser Bücher an die geschrumpfte Zahl der FriedensaktivistInnen, die einmal noch - wie damals 1979 beim NATO-Doppelbeschluß - die informierte Gegenöffentlichkeit bilden sollen.

Wer sich fundiert über die Konstruktion der Nationalismen in den modernen Bürgerkriegen informieren will, sei an Michael Ignatieff verwiesen: Seine erst jetzt auf deutsch erschienene Essay-Sammlung über "Die Zivilisierung des Krieges" läuft den vielen themenähnlichen Publikationen problemlos den Rang ab und knüpft an die essayistische Erzählweise seines Vorläufers "Blood and Belonging" an. In diesem Band, der 1998 auf Englisch erschien und fünf seiner Erzählungen aus den Jahren 1993 bis 1997 umfaßt, kreisen die Essays um die Frage nach der Entstehung von Nationalismen, die im gewalttätigen Konflikt enden. In seinen Texten verknüpft der in England lebende kanadische Historiker und Journalist Interviews und Reiseberichte aus den "Zonen der Gefahr" mit Erklärungsversuchen der Konflikte, die sich gegen die Darstellung von Ethnizität als essentiellem Wesenskern einer Gruppe von Menschen wendet.

Welche Prozesse der Nationalisierung sind am Werk, wenn ein kroatischer Automechaniker auf den serbischen Bauern schießt, der vor drei Jahren noch sein Nachbarn war? Oder, anders gefragt: Wie kommt es dazu, daß zwei Gruppen sich gegenseitig zu Feinden umdeuten? - Die nationale Identität eines Menschen hat für Ignatieff nichts zeitloses oder uranfängliches. Sie ist "keine von Geschichte und Tradition geformte Uressenz, die in ihm schlummert und nur darauf wartet, ihn in den Krieg zu führen." Identität ist auch auf dem Balkan ein relationaler Begriff: Serbe ist derjenige, der kein Kroate ist. "Der Nationalismus 'bringt' nicht einfach eine präexistente Identität 'zum Ausdruck'; er 'konstituiert' eine neue." Dieser Konstruktionsprozeß einer spezifisch "ethnischen" Identität wird in Ignatieffs Essays beschrieben. Vor dem Hintergrund der Presseberichterstattung von den Schlachtfeldern "ethnischer" Konflikte wirkt dies plötzlich überaus radikal.

Die Konflikte des 21. Jahrhunderts werden nicht durch fanatisierte religiöse Fundamentalisten ausgelöst werden, die sich in den Bekaa-Ebenen der Peripherie schon auf den Sieg um jeden Preis vorbereiten. Vielmehr identifiziert Ignatieff auf seinen Reisen die nationalistische Demagogie als Schlüssel für die Mobilisierung der Öffentlichkeit. Das von Milosevic ausgerufene "Projekt Großserbien" zum Beispiel sollte vor allem aus der wirtschaftlichen Misere helfen und zur nationalen Sammlung beitragen, nachdem das Projekt des Kommunismus auch auf jugoslawischem Boden gescheitert war. Nationalismus ist damit kein Ausbruch alter historischer Rivalitäten mehr, sondern ein modernes Sprachspiel, das als Antwort auf sozio-ökonomische Ungleichheit erfunden wurde. Nationalismus wird aus dieser Perspektive zur blanken Rhetorik, die sich nicht mehr auf angebliche Wesensarten einer bestimmten Personengruppe stützen kann.

Der 3. Weltkrieg - Passage 5

Der Tod wird die Strafe für Dummheit und Nachlässigkeit sein. Darüber hinaus sollte man jetzt nach geeigneten Verstecken Ausschau halten. Erkundungsausflüge in Wälder, Berge ect. Bei einer Massen/Notflucht wird es sehr wild hergehen. Jeder wird ein Ego sein und um sein Leben kämpfen. Darum sollte man lieber jetzt einen Notplan gestalten und in der Lage sein, sich vor der eigenen Bevölkerung zu schützen.

[Der 3. Weltkrieg - Passage 6]

Während der Balkan im "Würgegriff einer mörderischen Erzählung des Nationalismus" verharrt, hängt auch Ignatieff einer spezifischen Erzählung nach: Die Erzählung des universalistischen Liberalismus ist für ihn allerdings genauso wandelbar wie die nationalistischen Erzählungen der verschiedenen Balkanrepubliken: "Ohne diese Fiktion - daß die Ähnlichkeiten zwischen Menschen wesentlich und die Unterschiede zweitrangig sind - sind wir verloren." Ignatieff zufolge gibt es keinen natürlichen Reflex der Empathie gegenüber anderen Menschen, es ist die Geschichte als große Erzählung, welche die Menschen an den Mythos der menschlichen Universalität glauben läßt. Daß menschliche Bedürfnisse und menschliches Leid auf der ganzen Welt gleich sind, ist somit keine Grundkonstante der menschlichen Existenz, sondern eine Annahme, die immer wieder neu hergestellt werden muß, um damit sie ihre Wirksamkeit nicht verliert. Michael Ignatieff leistet mit seinen Publikationen einen Beitrag dazu.

Auch Oliver Tolmeins Interviewsammlung "Welt Macht Recht - Konflikte im internationalen System nach dem Kosovo-Krieg" ist dem Thema Krieg gewidmet. In zehn Interviews geht es ihm um die Mechanismen der Konfliktlösung im Feld der rechtlichen Auseinandersetzung. Wie werden Konflikte im internationalen System heute reguliert? Neben zehn Interviews mit namhaften VölkerrechtlerInnen enthält der Band Kurzdokumentationen der Interviewthemen, die das Verständnis der Thematik erleichtern sollen. Prinzipiell ein guter Aufbau, prinzipiell sehr interessante GesprächspartnerInnen. Vielleicht liegt in der Prominenz der Personen aber auch das Hauptproblem des Buchs - keiner der Befragten wollte es sich leisten, für das Gespräch mit einem noch nicht lange ehemaligen Jurastudenten seine schon zuvor 100mal anderswo publizierten Statements in ungewöhnlichere Rechtsauslegungen zu verändern.

In den Interviews zur humanitären Intervention im Kosovo ging es ohne großen Erkenntnisgewinn wieder einmal um die Frage nach dem "guten Grund vor der rechtlichen Norm?", um die Reform der UNO und des UN-Sicherheitsrats. Auch Ernst-Otto Czempiel überzeugte eher durch Sprüche als durch Qualität: "Die Chinesen kaufen in Moskau Waffen, daß es nur so kracht." Andere - z.B. John Groom von der Universität Kent - forderten gar "einen pragmatischen Umgang mit unserer doppelten Moral" in bezug auf die westliche Interessenpolitik und die Verteidigung der Menschenrechte oder interessieren sich - wie Christopher Greenwood, tätig an der London School of Economics, - für Philosophie: "Auch Kollateralschäden sind bedauerlicherweise nie ganz zu vermeiden. So ist das Leben nun einmal - insbesondere seitdem hochexplosive Sprengstoffe erfunden worden sind.". Von Oliver Tolmein wird in den jeweils zweiseitigen Einführungen zu Themen wie "Europa auf dem Vormarsch"; "Menschenrechte und Krieg" oder "Internationale Öffentlichkeit" mit analytischer Brillanz gekontert: "humanitäre Interventionen lassen sich nach Ansicht einiger Völkerrechtler in manchen Fällen durch Völkergewohnheitsrecht legitimieren."

Forum 3. Weltkrieg - Teil 3: wir verrecken an asis

von der gesamten weltbevölkerung sind ungefähr 80% asis. innerhalb von 20 jahren hatte sich die asi-quote verdoppelt. immer häufiger geschehen schreckliche Essenstörungen bei asis auf. wenns so weitergeht gibts bald nur noch uns hier weil die asis aussterben.

ich weiss, das das hart für euch zu nehmen ist, aber in jedem von euch steckt ein bißchen asioismus. Der Asioismus war schon im Mittelalter eine große Tradition um Kühe und Schafe von der Herde zu vertreiben.

die gesellschaft der fotofix-gmbh ist zu vielen gemeinheiten veranlagt, wobei sie den grund der ursache des fotoschiessens nicht genau erkannt haben.

[Forum 3. Weltkrieg - Teil 4]

Vielleicht ist es auch nur Hartnäckigkeit im Dienste der Guten Sache, immer wieder die Frage nach der NATO zu stellen, die partout nicht in allen Staaten intervenieren will, in denen die Menschenrechte mit Füßen getreten werden, sondern nur innerhalb ihrer - immerhin recht breit gefaßten - Interessensphäre. Aber auf die immer gleichen Fragen folgen selbstredend die immer gleichen Antworten. - "Droht das Recht der humanitären Intervention zu einem Willkür-Recht zu werden?" Informierte ZeitungsleserInnen haben sich schon nach drei Kapiteln zu Tode gelangweilt und über die schlechte Redaktion des Textes gewundert, der nicht nur jede Menge Tippfehler, sondern auch sachlich falsche Informationen aufweist.

Ursula Schröder

Michael Ignatieff (2000) Die Zivilisierung des Krieges. Ethnische Konflikte, Menschenrechte, Medien. Hamburg: Rotbuch Verlag. 34,- DM. 244 Seiten.

Oliver Tolmein (2000) Welt Macht Recht. Konflikte im internationalen System nach dem Kosovo-Krieg. Hamburg: Konkret Literatur Verlag. 28,- DM. 176 Seiten.




 
   
   
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