Ein zuletzt doch eher einsamer Aufsichtsrat von Schalke 04 wird mit Erleichterung feststellen, daß öffentliche und veröffentlichte Meinung endlich mal wieder übereinstimmen. Legionen von Cents werden im Juni 2002 vertelefoniert werden, mit dem schönen Nebeneffekt, daß sich der mündige Bürger in der Folge des Rechnungserhalts im Nach-WM-Monat wieder über die Standardsituationen der Vorbereitungszeit echauffieren kann: "Teuro", "0190-Betrüger" und den Sparschweindieb Ron Sommer. BILD dir deine Meinung. Vor soviel Dialektik kapituliert selbst das HKWM.
Noch schöner aber ist, daß die Frankreich-Rechnung gar nicht beglichen werden muß. Denn wo im abgelaufenen Jahrtausend lediglich das kleine Belgien im Weg stand, hat die Wertegemeinschaft FIFA nunmehr einen Spielplan gesetzt. Und in dem steht geschrieben: Frankreich allenfalls im Finale - und der Weg dorthin führt keinesfalls über Belgien! "Jeder Stoß ein Franzos'" (Toni Schumacher) – dazu wird es 2002 wohl kaum kommen.
Aufgrund ihres derzeitigen Leistungsvermögens ist es kaum vorstellbar, daß die heimischen Kicker das Endspiel erreichen werden, da wird auch das zu erwartende Fritz-Walter-Wetter wenig helfen. Aber während die DFB-Elf im Achtelfinale wahrscheinlich Paraguay oder Slowenien wird überstehen dürfen, um so die Standardendstation Viertelfinale zu erreichen, droht Frankreich der tableau-technische Super-GAU: schon im Achtelfinale möglicherweise Argentinien, im Viertelfinale eventuell Brasilien. In der Tat ein bemerkenswerter WM-Verlauf. In der einen Hälfte dürfen sich Mannschaften wie Deutschland, Italien und Kroatien durchwursteln, derweil sich die drei in der Weltrangliste führenden Teams auf der anderen Seite gegenseitig eliminieren. Und so kann sich Deutschland mit ein bißchen Glück bei einem frühzeitigen Ausscheiden des alten Sparringspartners über jegliche Selbstzweifel hinwegtrösten. Besser wird es gar nicht laufen können.
