Der 21.6., hierzulande traditionell als Tag der Sommersonnenwende dechristianisiert, wird einmal mehr in die Geschichtsbücher einzugehen haben - jedenfalls in solche, die sich mit Medien- und Sozialgeschichte auseinanderzusetzen belieben. Während in Stonehenge-Land die Lichter schon am frühen Morgen hiesiger Zeit an Altersschwäche starben, blieb dem Volk der Axel C. Springer Nachf. noch ein wenig Zeit, sich an der neuen Tageslosung zu ergötzen: "Ami, go home!"
Wenn auch mit einigen diskurstaktischen Einschränkungen versehen, so vermochte diese Aufforderung doch zu erstaunen. Weniger, weil hier ein mutmaßlich genuin linker Slogan ("mutmaßlich" deshalb, weil davon auszugehen ist, dass Jutta v. Ditfurth Nachf. wohl keine Konstruktion zu gewagt wäre, um nachzuweisen, dass die Nazis themselves diesen Spruch erfunden haben oder dieser jedenfalls "strukturell" dort beheimatet ist) von der BILD adaptiert wurde, sondern weil erst vor wenigen Monaten ein Passus in die Anstellungsverträge der Springer-Mitarbeiter aufgenommen worden war, der ihren bescheidenen Existenzen wieder ein wenig Sinn verleihen sollte, in dem er die Versicherung barg, die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft diene der "Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und der Solidarität in der Freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika".
Die Reaktionen auf den vorhersehbaren Auftritt von Fußballdeutschland fielen wieder einmal vorhersagbar aus. Die üblichen Verdächtigen rangen sich das Bemühen ab, vor Freude abermals überzulaufen, und die sich üblicherweise unverdächtig Gebenden behielten den Schaum einfach gleich vor dem Mund, so groß war die Freude über das Fortexistieren des schönsten Feindbilds seit es Chlorgas gibt.
Bei Indymedia, dem Zentralorgan der Info-Junkies hatte man sich im Vorfeld hitzige Debatten darüber geliefert, wo denn nun der Hauptfeind stehe. Mehrheitlich blieb man einfach dabei. Der einzig richtungsweisende Vorschlag kam aus marxistischen Reihen: "Bei Konflikten zwischen konkurrierenden Imperialismen ist es die Aufgabe des jeweiligen Proletariats für die Niederlage des eigenen Imperialismus einzutreten. Also: ArbeiterInnen in der BRD sollten für die Niederlage der BRD, ArbeiterInnen in den USA sollten für die Niederlage der USA kämpfen."
Hier hat es wohl noch an der Einstellung gemangelt ...
