Seit 1994 bringt Marc Abrahams die Zeitschrift Annals of Improbable Research heraus. Dabei handelt sich um eine sechs Mal jährlich erscheinende Sammlung von verzichtbaren Forschungsberichten, deren Hauptqualität darin bestehen soll, lustig zu sein. Dass dies allerdings nur sehr begrenzt so ist, beweist nun der Auswahlband Der Einfluß von Erdnußbutter auf die Erdrotation. Ob die Berichte auf real existierenden Forschungsprojekten beruhen, oder aber frei erfunden sind – es hält sich die Waage -, fast immer beruhen sie auf dem Prinzip „Vertraue mir". Doch ohne ein Minimalmaß an Seriosität entsteht kein Witz, sondern quälend bemühte Ödnis.
Eine der Ausnahmen liefert Scott A. Sandford von der NASA in Kalifornien mit seiner wegweisenden Studie „Äpfel und Birnen: ein Vergleich". Mittels der Spektralanalyse eines Granny-Smith-Apfels und einer Williams-Christ-Birne weist er nach, daß diese sprichwörtlich unvergleichbaren Früchte über so ähnliche Eigenschaften verfügen, daß sich ihr Vergleich nahezu aufdrängt . Dem Vorwurf, er vergleiche Äpfel und Birnen begegnet Sandford laut eigener Aussage mittlerweile sehr erfolgreich mit stets griffbereiten Tabellen und Graphiken, die von der Vergleichbarkeit zeugen.
Ganz lebenspraktisch gibt sich die Dennis McClain-Furmanski von der Old-Dominion Universität in Virginia experimentell erprobte „Methode zur Weckung und Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit von Studenten". Der Autor empfiehlt dazu, etwas mit Kreide an die Tafel zu schreiben, die Kreide dann gegen ein Stück kalkweiße Zuckerstange auszutauschen, sich anschließend den StudentInnen zuzuwenden, und dann so bedeutungsschwer und laut wie möglich das Stück Zuckerwerk zu zerbeißen. Er fährt fort: „Während sich die Erkenntnis auf den Gesichtern abzumalen beginnt, können Sie feststellen, wie schnell von Begriff die einzelnen Studenten in dieser Truppe sind. Sie können die Grimassen aber auch nur zu Ihrem eigenen Vergnügen beobachten. Im weiteren Verlauf des Semesters können Sie, wenn die Aufmerksamkeit abflaut, ab und zu mitten im Satz innehalten, zur Tafel schreiten, sich ein Stück Kreide schnappen und es mehrere Sekunden lang genau betrachten. Die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Studenten ist Ihnen dann wieder sicher."
Ebenfalls hilfreich für angehende Wissenschaftler ist der Text „Wie man einen wissenschaftlichen Aufsatz schreibt" von E. Robert Schulman. In ihm gibt er Karrieretips für jene, die leider zu dumm sind, um Computerspiele zu programmieren, und daher Unmengen wissenschaftlicher Aufsätze veröffentlichen müssen, um irgendwann mal einen Job zu kriegen. Seine Regeln dazu lauten: 1.) Gnadenlos zitieren, vor allem sich selbst sowie Freunde, Verwandte und Bekannte, auch an den unpassendsten Stellen zu den unpassendsten Themen. 2.) Um an Forschungsgelder ranzukommen im Antrag eine noch zu machende, unglaubliche Entdeckung ankündigen. Da die natürlich nie gelinge, stelle sich dann aber das Problem des Publikationszwangs. 3.) Bad news are good news: Auch negative Ergebnisse sind wichtige Ergebnisse, und sollten mit besonders hübschem Layout und vielen Tabellen veröffentlicht werden. 4.) Dabei sei das einzustreuen von Fehlern sehr wichtig, um dann einen „korrigierenden Nachtrag" schreiben zu können, „in dem Sie erklären a) wie und warum Sie Mist gebaut haben und b) daß Sie, obwohl Ihre experimentellen Ergebnisse jetzt völlig anders aussehen, Ihre Schlußfolgerungen nicht ändern müssen." 5.) Das Fazit besteht aus den unbewiesenen Behauptungen der Einleitung, jetzt nur vom Präsens ins Präteritum übertragen. Ein Blick in die einschlägige Literatur unterschiedlichster Fachbereiche legt den Verdacht nahe, als bediene sich heute eine stetig wachsende Schar nicht nur von NachwuchswissenschaftlerInnen dieser Methode.
Eine weiter Sparte des Buches besteht in Informationen über die Gewinner des seit 1991 in Harvard verliehenen Ig-Nobelpreises. Um einen großen Strategen handelt es sich beim Preisträger von 1993 in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften, Ravi Batra, der innerhalb kurzer Zeit zwei Bestseller veröffentlichte: Zunächst The Great Depression of 1990, dann Surviving the Great Depression of 1990. Preiswürdig erschien dem Komitee auch eine Arbeit aus Norwegen, die 1996 den Ig-Nobelpreis für Biologie erhielt: Die Wirkung von Bier, Knoblauch und saurer Sahne auf den Appetit von Blutegeln. In der Kategorie Literatur siegte 1992 Yuri Struchkov vom Institut für organische Chemie in Moskau, der besonders gut erkannt hat, daß die Zahl der eigenen, wissenschaftlichen Publikationen in direktem Zusammenhang mit der persönlichen Reputation steht. Er veröffentlichte zwischen 1981 und 1990 exakt 948 wissenschaftliche Aufsätze, also durchschnittlich alle 3,9 Tage einen.
Hinter dem Titel Der Einfluß von Erdnußbutter auf die Erdrotation verbirgt sich übrigens eine andere, sehr gängige Strategie der Reputationssteigerung. Über zweihundert Doktoren zeichneten unter dem besagten Titel verantwortlich für folgenden Text: „Soweit wir ermessen können, hat Erdnußbutter keinen Einfluß auf die Erdrotation."
