Unter Reality Schleck fallen jene 45 Beiträge im neuen Kursbuch, die Zustand und Entwicklung der Neuen Medien prinzipiell prima finden. Sie sind überflüssig, denn Propaganda für den Ist-Zustand und die goldene Zukunft liefern alle sonstigen Medien schon mehr als genug. Der hundertachtundfünfzigste Text über Nazis und Kinderpornographie im Netz ist vielleicht gut gemeint, führt aber zu nichts anderem als hektischem Weiterblättern. Bücher sollten doch noch gefälligst etwas anderes bieten als eine weitestgehend konzeptfreie Sammlung, die ihre nahezu durch die Bank konstruktivistisch-systemtheoretisch inspirierten Schulaufsätze in weitestgehend sinnfreien Kategorien wie Inhalt & Emotion, Geld & Welt oder Hören & Sehen zusammenpfercht. Die wohldosierte Mitte ist laut Vorwort Programm: "Nicht reinzufallen auf euphorische Heilsverkünder und Glücklichmacher oder auf neu- und altmodische Untergangsneurotiker."
Zur Buchladen- / Bibliothekslektüre oder für einen Besuch im Copyshop empfehlen sich nur wenige rühmliche Ausnahmen: "Die Schwäche des Virtuellen. Die Grenzen des Netzes als Ort von Bewegungsöffentlichkeiten" von Knut Hickethier, "Echtzeit" von James Gleick, "Grimme Preis für Michael Born. Oder: Der Fake als immanentes Prinzip des Fernsehens" von Matthias Junge, "Das Versagen der Werbung" von Kai Humpert, "Chomsky revisited" von Ralf Wurzbacher und "Der Trend zum Trend" von Armin Wulf. Der Rest dürfte recht bald in wohlverdiente Vergessenheit geraten.
