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Russische Ideen zur Lösung des Konfliktes
Ausgabe 12.0 - 01.03.2004
   

Medienkrieg in Osteuropa

Warum Osteuropäer denken, wie es ihnen "die deutschen Zeitungen befehlen"


In Polen, Ungarn, Serbien, in Tschechien, der Slowakei und Montenegro jedenfalls befinden sich mittlerweile größere Teile der medialen Meinungsproduktion fest in deutscher Hand. Konkret: Einem Bericht der Deutschen Welle aus dem Herbst 2003 zufolge kontrolliert ausländisches Kapital heute bereits 85 Prozent des osteuropäischen Medienmarktes. Drei Viertel des Kapitals stammen aus Deutschland. Die von deutschen Konzernen damit ausgeübte Kontrolle übersteigt mittlerweile jedes jemals erreichte Maß auf diesem Gebiet. Beispiel Print: Deutsche Konzerne kontrollieren heute bereits die Hälfte des osteuropäischen Pressemarktes, in Ungarn sogar 75 Prozent, in Tschechien mehr als 80 Prozent. So gibt der "Bauer-Konzern" in Polen dieser Tage etwa 30 Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von mehr als acht Millionen Exemplaren heraus. Den Europäischen Journalistenverband zitiert der Beitrag mit den Worten: "Das alte Monopolsystem der totalitären Staaten wurde in Osteuropa durch das Monopol des Fremdkapitals ersetzt." Gegen die Kapitalkraft der deutschen Gruppen und die von ihnen geführten Dumping-Schlachten hatte die örtliche Konkurrenz kaum eine Chance. Auch die jüngere Vergangenheit - man denke nur an die Übernahmeschlacht um Mannesmann, den Kampf um die deutschen (Fernseh-)Kabelnetze oder den Argwohn gegenüber Haim Saban, dem neuen Besitzer der ehemaliger Kirch-Sender – hat gezeigt: Deutsches Kapital – und mit ihm die deutschen Medien - vertreten deutsche Interessen. Es ist kaum einzusehen, warum dies ausgerechnet in Osteuropa anders werden sollte. Mit der Herrschaft über die Medien geht jedoch, dies gilt es ebenfalls zu beachten, ein maßgeblicher Einfluss auf den Werbemarkt einher. Dies dürfte nicht notwendigerweise zum Nachteil der anderen in Osteuropa tätigen deutschen Unternehmen sein.

Das Vorgehen deutscher Konzerne sei ,,brutal und heimtückisch", so sagte schon vor Jahren der bulgarische Journalist und ehemalige Vorsitzende der bulgarischen Vereinigung der Zeitungsverleger, Valeri Naidenow. Ihr Auftreten erinnerte ihn an einen ,,Blitzkrieg". Folgerichtig prophezeite die bulgarische Zeitung Novinar ihren Lesern: ,,Du wirst denken, wie es dir die deutschen Zeitungen befehlen". Einstweilen warf die tschechische Regierung im vergangen Jahr den Medien, insbesondere den wichtigsten Printmedien in Tschechien vor, einseitig aus – Achtung! - deutscher Sicht über die deutsch-tschechischen Beziehungen - speziell die deutsche Besatzung der Tschechoslowakei und ihre Folgen - zu berichten, die sogenannten Benes-Dekrete selbstverständlich eingeschlossen.

Anders gesagt: Medien sind augenscheinlich sehr tauglich zur Fortsetzung von militärisch ausgefochtenen Kriegen mit anderen Mitteln.


Wer sich ein präzises, vollständiges und aktuelles Bild der Besitzverhältnisse von Medien in Osteuropa machen möchte, dem sei die Studie "Foreign Ownership in Central and Eastern European Media: Ownership, Policy Issues and Strategies" des Europäischen Journalistenverbandes empfohlen.



 
   
   
O&V