"Unsere" Streitkräfte konnten dem Aufruf zum Waffenkauf offensichtlich nicht widerstehen. Es frohlockt jedenfalls die DASA (DaimlerChrysler Aerospace AG) über das "beste Ergebnis seit Unternehmensgründung" und rechnet der geneigten Leserin vor, wie günstig die Ergebnisentwicklung in ihrem Geschäftsfeld war. "So stieg der Operating Profit [im Jahr 1998] um EUR 339 Mio. auf EUR 623 Mio." Bei der derzeitigen Auftragslage ist das wohl auch kein Wunder, liegt doch das Auftragsvolumen mit 13,9 Mrd. EUR um 40% über dem des Vorjahres. "Besonders ausgeprägt war das Umsatzwachstum in den Bereichen Verkehrsflugzeuge, Verteidigung und Zivile Systeme, Antriebe Luftfahrt sowie im Hubschraubergeschäft." Angesichts der aktuellen außenpolitischen Entwicklungen wird zukünftig sicher auch die Belastung durch die "sehr begrenzten Handlungsspielräume der öffentlichen Haushalte" wegfallen. Da kann man seinen zahlenden Kunden schon mal ein fröhliches Geburtstagsfest wünschen.

Die DaimlerChrysler Aerospace AG hat gute Laune und nicht nur die vereinten Waffenhändler sollen sich freuen dürfen. Auch der wissenschaftliche Nachwuchs bekommt auf der Homepage der DASA seine Chance geboten. Neben Werkverträgen und Praktikaangeboten weltweit können Studenten hier - drittmittelunterstützt und intensiv betreut - die so lange vor sich hergeschobene Diplomarbeit zu einem der vielen angebotenen Themen schreiben. Um auf diesem Wege die Chance für den eigenen kleinen Kriegsgewinn zu bekommen, sollte man aber schon Verfahrenstechnik oder Wirtschaftsinformatik studieren.
"Mit der DASA auf dem direkten Weg zum Weltfrieden" heißt die Devise und so belehrt uns ihre Selbstdarstellung, daß sie "Beiträge leisten (will) zu ganzheitlichen und übergreifenden Lösungen zum Nutzen von Mensch und Umwelt". Auch die Rüstungskonzerne stehen ja im Grunde auf der Seite der Guten. "Im Umbruch von Politik, Ökonomie und Ökologie orientieren wir uns an neuen Werteordnungen der Gesellschaft und nehmen Verantwortung wahr." Genau das konnten wir jüngst täglich von Neuem beobachten: Wie die Systeme und Produkte der DaimlerChrysler Aerospace AG und ihrer Mitstreiterinnen für den Weltfrieden nachhaltig die neuen Werteordnungen unterstützen. Unbeirrt sind sie im Einsatz für die neue NATO-Strategie, bis auch die letzte bundesdeutsche Aufklärungsdrohne abgestürzt ist. Es ist ein weiter Weg zur Perfektion, auch für die Produkte der DASA, die doch "für die Verteidigung von Freiheit und Sicherheit aller Allianzmitglieder entwickelt wurden. Damit der Frieden auch in den nächsten 50 Jahren sicher ist."
Die Rüstungswerbestrategien im Nicht-NATO-Land Schweden sind insgesamt etwas robuster gehalten. Hier wird nicht lange mit Weltfrieden und Verantwortung hantiert, hier kommt man gleich zur Sache. Schließlich hat man ja einen Auftrag zu erledigen: "Wie schaltet man am schnellsten einen feindlichen Kampfpanzer aus?". Das klingt zwar eher wie der Subtext von Command & Conquer, wird von unserem freundlichen Autohändler Saab aber detailliert auf drei Seiten beantwortet:
"FIND. Stellen Sie sich den Angriff durch feindliche Kampfpanzer vor. Auf 7000 m verschießen Sie panzerbrechende Mörsermunition. HIT. Jetzt schaltet der passive Suchkopf auf sein Ziel auf. Seitlich gerichtete Schubraketen lenken das Geschoß von oben ins Ziel. KILL. Der Hohlladungsstachel durchschlägt die Dachpanzerung und schaltet den Panzer aus. Ist das möglich? Ja, mit dem selbstzielsuchenden STRIX-System."
Vielleicht sollte Saab seinen Texter an die Sendung mit der Maus verkaufen.
