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Ausgabe 0.1 - 01.06.1999
   

Die Debilität des Fußballers

Warum Mario Basler und Jürger Kohler nicht Badminton spielen


Die himmelschreiende Dummheit von Profifußballern ist ein Gemeinplatz, auf dem sich vor allem die "Gebildeteren" gerne amüsieren. Gerade die in den letzten Jahren auf Festmeter angewachsene Forschungsliteratur zu den Fans - wer sie sind, was der Fußball mit ihnen macht, etc. - kann relativ leicht als Kompensationsmechanismus entlarvt werden. Denn "professionelles Interesse" ist immer noch die beste Rechtfertigung für die Beschäftigung mit jedem noch so abwegigen Thema.

Wirkliche Freude empfindet der "sophisticated supporter" eigentlich nur dann, wenn nach Meinung von Jürgen "Die Kobra" Wegmann alles mal wieder "zu hoch sterilisiert" wird - ein Lapsus, wie er in ähnlicher Form täglich millionenfach vorkommt. Oder wenn Klaus "Auge" Augenthaler bezüglich eines "Urus" (Faßbender), der seiner Blutgrätsche gerade noch entkommen war, mit einer Ehrlichkeit bekennt, die auf Plätzen in der Provinz normal ist, im Fernsehen aber eher selten erreicht wird: "Ich wollt'n noch umhau'n, aber ich hab'n nich mehr erwischt." Die Zahl von kursierenden Anekdoten dieser Art ist Legion und an entsprechender Stelle versammelt nachzulesen.

Bleibt die Frage: Spielt man Fußball, weil man von Grund auf dumm ist oder aber wird man erst richtig dumm, weil man Fußball spielt? Mit psychologischem Rüstzeug ist es nicht schwierig, bei Jürgen Kohler so etwas wie eine degenerative Regression im Endstadium, bei Mario Basler einen paranoiden Autismus in Reinform zu diagnostizieren. Schwieriger wird es schon, die der machistischen Standesethik diametral entgegenstehenden homoerotischen Eruptionen nach jedem Treffer zu erklären.

Der finnische Radiologie-Professor Taina Autti und seine Mannschaft dürften wie die Heerschar der fußballerklärenden Soziologen zur Gruppe der "sophisticated supporter" gehören. Jedenfalls ließ ihn die Frage nach den Ursachen der geistigen Demenz der Ballarbeiter nicht los und er begab sich auf die Suche. An 15 Fußballern, 15 Football-Spielern und einer Gruppe von 15 "Gesunden", sprich Nicht-Sportlern, nahm Autti eine Computertomographie vor. Sahen alle Gehirne auf den ersten Blick ganz normal aus, so zeigten die Aufnahmen bei näherem Hinsehen über die gesamte Hirnmasse der Fußballer verteilte schimmernde Punkte. Kein besonders gutes Zeichen, so die Forscher, finden sich diese Flecken doch in eben dieser Form auch auf den Gehirn-Scans von Alzheimer-Patienten.

Das Gehirn besteht aus Neuronen, die von der Substanz Myeline ummantelt werden. Die schimmernden Punkte verweisen entweder auf ein einfaches Loch - genauer: Wasser statt Neuronen - oder auf einen Mangel an Myeline. In beiden Fällen hat sich die graue Masse von ihrem Idealzustand entfernt. 73% der gescannten Fußballer hatten eine perforierte Birne, teils mit über 40 Löchern. Die Footballer hingegen kamen nur auf 41%, die Nicht-Sportler auf 25%, bei durchschnittlich sieben Lücken.

Nicht Sport verwandelt also das Hirn in einen Schwamm, sondern Fußball. Auttis Erklärung ist so banal wie einleuchtend: jedes Aufeinandertreffen von auf 60-70 km/h beschleunigten Lederkugeln mit dem Hirnbehältnis hat eine zerebrale Verwüstung von Millionen Neuronen zur Folge, gegen die Strohrum wie Früchtetee wirkt. Der Kopfball als Arbeitsunfall, die Debilität als Berufskrankheit, vermutlich demnächst mit daraus ableitbarem Rentenanspruch.

Ergo: Hätten Basler oder Kohler gefochten oder Federball gespielt, wären sie wie alle anderen.




 
   
   
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