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Ausgabe 2.2 - 15.12.1999
   

Ardennen-Offensive 2000

Mit Peter Kölln in die "gute alte Zeit"


Kennen Sie Peter Kölln? Vermutlich nicht. Aber seinen Verkaufsschlager, mit dem er Generationen von deutschen Kindern gemartert hat: die Kölln-Flocken? Auch nicht? Dann müssen Sie in der DDR aufgewachsen oder - was die Sache nicht viel besser macht - von einer ökologisch-alternativ inspirierten Elternschaft mit selbstgequetschten Haferflocken gequält worden sein. In allen anderen Fällen kann es kein Entrinnen gegeben haben, spätestens bei Oma hörte der Spaß auf. So auch bei mir. Kölln-Flocken, das war - üblicherweise mit Milch versetzt - eine weiße, klebrige und übelriechende Masse, die nur mit solchen Unmengen von Zucker zu ertragen war, daß zwei Tafeln Milka als vergleichsweise vollwertige Hauptmahlzeit gelten konnten. Kölln-Flocken, das waren die disziplinargesellschaftlich modernisierten Nachfolger des offenen Repressionsinstruments "Lebertran", das man als "71er" gottseidank nur noch aus dem Märchen kannte. Kölln-Flocken, das war das jahrelange Rätseln über die Herkunft dieser hell-dunkel-blauen Pakete, die ewige Irritation durch das Köln mit Doppel-L, die mich in meiner heimatkundlichen Entwicklung entscheidend hemmte. Daß Kölln-Flocken nicht in der rheinischen Domstadt, sondern bis heute im fernen Elmshorn produziert werden, habe ich erst verstehen können, als dem Idealtypus eines 20jährigen Kölln-Flocken-Konsums zur massenmedialen Repräsentanz verholfen wurde - in Gestalt des "Elmshorners" Michael Stich.

So erschien es mir wie ein Akt historischer Gerechtigkeit, von Peter Kölln in meinem späteren Leben mit einem der besten Schoko-Müslis der kapitalistischen Hemisphäre versorgt zu werden. Doch das Imperium schlägt seit letzter Woche gnadenlos zurück. Als wäre Peter Köllns Schoko-Müsli nicht schon braun genug, so versucht er seit neuestem, seine Kundschaft per beigelegter Postkarte zum Kauf von "Blechdruck-Präge-Schildern mit Originalmotiven aus der guten alten Zeit" zu animieren. Beim Betrachten der Motive bleiben kaum Zweifel, welche Zeiten Peter Kölln wieder herbeisehnt: Ob "Schuljunge", "Mädchen" oder "Baby", gescheitelt, blond und blauäugig ist der Deutschen Wesen. Und in Zeiten, in denen dieser gottlose Staat per Plakatwerbung offen dazu aufruft, mit dem ius sanguinis zu brechen, soll dieses Wesen offensichtlich an Kölln-Flocken wieder genesen.

Doch das Engagement des Peter Kölln darf keineswegs als einsamer politischer Kampf gegen die "Windmühlen" der Neuen Zeit mißverstanden werden. Seine Blechschilder dienen in erster Linie dem Marketing, und "original deutsch" verkauft sich heute so gut wie schon lange nicht mehr. Aber wenn sich gegenwärtig mit Reichsnährstands-Ästhetik schon wieder "gutes" Geld verdienen läßt, warum versteckt Peter Kölln sie dann im Packungsinneren? Vermutlich alles nur ein Testballon. Ist das Volk erst einmal mit dem Arier-Blech versorgt, wird der nächste Werbefeldzug folgen. Dann wird offensives Product-Placement gefragt sein. Und während die deutschen Dependancen der internationalistisch gesinnten Nahrungsmittel-Industrie damit werben werden, daß Isostar, Milchschnitte und Nutella gleich tonnenweise an die in Sydney weilenden Olympioniken verteilt werden, setzt Peter Kölln auf die gezielte Ansprache seiner Kundschaft. Im Jahr der Fußball-EM in Belgien und Holland wird er seine Verpackungen mit einem dezenten Aufdruck versehen: "Offizieller Ausrüster der Ardennen-Offensive 1940". Das versteht der deutsche Schlachtenbummler immer noch am besten.




 
   
   
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