"Haut die Iren weich wie Butter" titelte Gafron am vergangenen Mittwoch. Er meinte Deutschland, respektive dessen derzeitige Volksvertretung. Wenn es um Deutschland geht, kennt Gafron keine Verbündeten mehr, nur noch Deutsche. Das einzige englischsprachige Land der Welt, in dem die Aversionen gegen Deutschland nur rudimentär ausgeprägt sind, weil man sich im Hass auf das perfide Albion einig weiß, es würde jetzt leider auch dran glauben müssen. Kann man nichts machen, sollen die doch gegen andere punkten. Warum eigentlich immer nur gegen uns?
Es kam dann doch anders. Zwar bewies der Schlesier Klose abermals, über welch' politische Weitsicht die Herren Hupka und Czaja doch verfügten, aber er mußte es bei einem Salto bewenden lassen. Und es mutet wie ein Treppenwitz der Geschichte an, daß ausgerechnet ein Sohn der östlichsten Stadt Mitteldeutschlands, der Görlitzer Jens Jeremies, vor der 16m-Schandgrenze stehenblieb und so dem Gaelen das Einnetzen erst ermöglichte. Jetzt geht's gegen die Ex-Kolonien also ums Ganze. Georg Gafron feilt noch an der Tageslosung. Sie wird nachgereicht werden müssen.
Sechs Tage und eine schlaflose Nacht sind viel Zeit. Und so erinnerten sich die Experten gern an die deutschen Tugenden. Doch oh weh, sie erwiesen sich als unbrauchbar. Und doch wußten sie Rat. Es fehlt der Chef auf dem Platz. Laut ist nur der Besessene, aber der steht zu weit hinten, nicht zu gebrauchen für eine vernünftige Offensive, die länger hält als nur eine Halbzeit. Das ist das eigentlich tragische an Deutschland. Wie soll man die dritte Halbzeit gewinnen, wenn schon in der zweiten alles zusammenbricht? Vorbilder gibt es auch keine mehr, nicht mal tabuisierte.
Die Hoffnungen ruhen nun einzig auf der Mata Hari des deutschen Fußballs, einer phantastischen Mischung aus Barbie und Ken. Am Dienstag wird ein Axiom seine Widerlegung finden müssen. Entweder jenes, daß ein deutsches Team bislang noch immer die Vorrunde einer WM überstanden hat oder das Diktum, dass elf Deutsche natürlich dümmer sind als einer. Heiner Müller hat die Rechnung wohl ohne Winnie Schäfer gemacht.
