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Ausgabe 08.0 - 26.08.2001

Dies ist kein Protest. Ich wiederhole.

No Logo - der Schlaf der Gerechten. / Gestört von Heiko Balsmeyer


"No Logo" von Naomi Klein ist breit rezipiert und in unterschiedlichen Medien freundlich aufgenommen worden. Das muss stutzig machen. Und tatsächlich: No Logo ist ein schlechtes, aufgeblasenes und vollkommen langweiliges Buch.

Laut Klappentext ist die junge bieder aufgemachte Dame, die mich vom Foto anlächelt, eine Erfolgsjournalistin, die für Nation, New York Times usw. usw. schreibt. Sie hat ihr Archiv geöffnet, passendes um vier Kapitel gepuzzelt, nochmal mit der Werbeagentur telefoniert und fertig war das Erfolgsbuch mit angeschlossener Internetseite.

Im Schaufenster liegt das Logo, die Marke. Ausgangspunkt durch den Supermarkt ist No Space. Hier stellt Naomi Klein ihre Ausgangsthese vor, dass die Marken wichtiger werden als die Produkte und beschäftigt sich mit der zunehmenden Kommerzialisierung des Kultur- und Bildungsbereichs anhand der Ausbreitung von Markenprodukten, wie Mini-McDonald's in Schulen oder Auftragsforschung an Universitäten.

Im zweiten Gang plärrt das Einkaufsradio etwas von No Choice, wir haben keine Wahl. Warum? "Trotz ihrer polyethnischen Bildersprache will die marktkonzentrierte Globalisierung keine Vielfalt, sondern das genaue Gegenteil." Ach so. Die Verödung der Innenstädte durch die Ausbreitung von Wal-Mart-Supermärkte, Starbucks-Kaffeeläden und Malls sind einige Beispiele, die von Klein enervierend detailiert beschrieben werden.

Kurz vor der Kasse erreichen wir No Jobs. Es geht um die Arbeitsbedingungen in der Exportproduktionszone Caviate in Indonesien. "Die Zone ist ein isolierter, steuerfreier Wirtschaftsraum...ein kleiner Militärstaat inmitten einer Demokratie." Wir stellen fest, wir haben das Hauptthema des Buches erreicht, die Arbeitsbedingungen in Sweatshops und Konsumentenproteste dagegen. Die Welt soll eine Ware sein, aber ich möchte ein reines Gewissen haben. Darum kaufe ich den gleichen Scheiß von einer anderen Marke oder male dem Marlboro-Mann eine Zahnlücke.

Nach 284 schlaffördernden Seiten, deren Lektüre viel Disziplin verlangt, erreichen wir beim Verlassen des Ladens die Zone des Widerstands, No Logo. Die grossartige No Logo-Bewegung, die von der Autorin konstruiert wird, macht solch` widerständige Dinge wie eben die Verfremdung von Werbeplakaten, Reclaim-the-Streets-parties oder Kaufboykotts. Wow. Da ich das alles kenne und mir sogar schon Gedanken dazu gemacht habe, werde ich durch das Buch von Naomi Klein sogar zum Teil einer weltweiten Bewegung geadelt. Ich fordere hiermit: Kaufboykott gegen NO LOGO. Dies war die erste Aufforderung. Es ist jetzt neunzehn Uhr Zwölf.

Naomi Klein: No Logo! Der Kampf der Global Players um Marktmacht. Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern. München 2001: Riemann Verlag. 512 S. 48.- DM.