ORNAMENT & VERBRECHEN Ausgabe 07.0 - 22.03.2001
So wird im "Atomkonsens" den Betreibern von Atomkraftwerken über Jahrzehnte der ungestörte Weiterbetrieb ihrer AKWs und damit die Verwertung ihres Kapitals garantiert. Zu den Konsequenzen gehört, dass in Deutschland noch einmal soviel Atomstrom und -müll wie bisher produziert wird. Allein bis zum Ende des Jahres 2000 sind bereits 80 Tonnen des hochgiftigen Plutoniums in deutschen Atommeilern angefallen. Im Klartext: den Betreibern wird für jedes Atomkraftwerk die Produktion einer bestimmten Strommenge zugestanden. Ab dem 1.1.2000 können die Atomkonzerne noch 2623 Terrawattstunden Strom produzieren und vermarkten. Das ist fast ebensoviel, wie die 2771 Terrawattstunden, die in allen Atomkraftwerken in der Bundesrepublik Deutschland bis 1998 erzeugt wurden. Zusätzlich können die garantierten Strommengen von den älteren auf neuere Anlagen übertragen werden. Daher wäre nach dieser Vereinbarung damit zu rechnen, dass die neueren Atomkraftwerke noch über Jahrzehnte am Netz bleiben. Das letzte Atomkraftwerke würde nach dieser Vereinbarung zwischen 2025 und 2030 abgeschaltet werden. Von einem Ausstieg kann also in diesem Zusammenhang überhaupt keine Rede sein.
Die Bedingungen für die Betreiber von Atomkraftwerken haben sich durch die Konsensvereinbarung zusätzlich verbessert, weil die Bundesregierung zusichert "keine Inititative [zu] ergreifen, um diesen Sicherheitsstandard und die diesem zugrundeliegenden Sicherheitsphilosophie zu ändern." Eine unverantwortliche Selbstfesselung der Politik, die - Rot-Grün Gerade die wirtschaftlichen Privilegien könnten aber als intelligente Hebel zum Atomausstieg eingesetzt werden. Schließlich profitieren die Atomkonzerne davon, das der Atombrennstoff nicht besteuert wird, sie bei Unfällen nur bis zu einer Schadenshöhe von 500 Mio. DM haften (den unter Umständen gigantischen Rest übernimmt der Staat) und die Rückstellungen für die atomare Entsorgung steuerfrei sind. Mit diesen Geldern haben die Energieversorgungsunternehmen ihre Feldzüge durch andere Ver- und Entsorgungsbereiche, wie beispielsweise den Telekommunikationsmarkt, finanziert. Aber auch durch die Produktion von und dem Handel mit anderen existenziellen Waren wie Wasser- und Stromversorgung, sowie Abfallentsorgung bekommen diese Konzerne eine gefährliche ökonomische und gesellschaftliche Macht. Bei Streichung der angeführten ökonomischen Privilegien würde der Betrieb von Atomkraftwerken früher eingestellt, als es jeder Konsens über Ausstiegsfristen ermöglichen kann. Ein solches Vorgehen hätte auch den großen Vorteil, dass die Konzerne dagegen keine Klagemöglichkeit hätten.
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