ORNAMENT & VERBRECHEN Ausgabe 07.0 - 10.03.2001
Der Transportstopp für CASTOR-Transporte wurde 1998 von der damaligen konservativen Umweltministerin Merkel verhängt, weil zusätzliche Transportrisiken öffentlich geworden waren. An der Außenseite der Transportbehälter waren radioaktive Partikel festgestellt worden. Diese Tatsache war den Verantwortlichen zwar seit Jahren bekannt, war aber von diesen einfach verschwiegen worden. Vor der Aufnahme neuer Transporte sollten nach einem von Merkel verantworteten 10-Punkte-Plan die Die französische Regierung hat von der deutschen Bundesregierung verlangt, zunächst Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague zurückzunehmen, ehe neue Ladungen mit abgebrannten Brennstäben aus deutschen Atomkraftwerken aufgenommen werden. Von der Anti-Atom-Bewegung wurde dies zurecht als "Türöffnerfunktion" der anstehenden Transporte kritisiert. Denn nur wenn der Müll im Zwischenlager in Gorleben angekommen ist, kann neuer Atommüll nach Frankreich rollen und damit eine neue Runde im europäischen Atommülltourismus einleiten. Nach dem sogenannten Atomkonsens zwischen der rot-grünen Bundesregierung und den Atomkonzernen sind solche Transporte in die Wiederaufarbeitung bis zum Jahr 2005 vorgesehen. Diese Tatsache ist auch der In einigen Atomkraftwerken sind die Lagerkapazitäten für abgebrannte Brennstäbe in und an den Atomkraftwerken ausgeschöpft. Das macht die zwischenzeitliche Öffnung des Wiederaufarbeitungspfades für die Konzerne so dringlich. Nur durch den Abtransport von fünfzig Behältern noch in diesem Jahr kann der Reaktorbetrieb problemlos fortgesetzt werden, ansonsten droht ihnen die Drosselung der Leistung oder die Zwangsabschaltung. Für eine Verstopfungsstrategie der Anti-Atom-Bewegung ist die Ausgangslage dadurch äußerst günstig. Ein Normalzustand der Transporte - der von den Atomkonzernen und der Bundesregierung gefordert wird - würde 60 bis 100 Transporte jährlich nach Sellafield und La Hague bedeuten. Wenn der Widerstand gegen den jetzt anstehenden Transport möglichst machtvoll wird, wird es für die Gegenseite schwierig, diese Planungen einzuhalten.
Da die Castoren aus der Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague stammen, sind einige kritische Bemerkungen zu diesem besonders schmutzigen Abschnitt der gesamten Atomkette angebracht: Von allen Wiederaufarbeitungsanlagen ist bekannt, dass sie die Umgebung und - wie in La Hague - das Meer radioaktiv verseuchen. Nach Greenpeace-Angaben wird in der französischen Plutoniumfabrik 40 bis 60 Prozent des anfallenden schwach radioaktiven Mülls direkt ins Meer entsorgt. Im Umfeld der Anlage wurde eine erhöhte Leukämierate festgestellt. Die Wiederaufarbeitung vergrößert lediglich den Die süddeutschen Anti-Atom-Initiativen wollen den Castor bereits an der französisch-deutschen Grenze gebührend empfangen. Es wird damit gerechnet, dass der Transport in der Nacht vom 26. auf den 27. März im Raum Straßburg/Kehl den Rhein passieren wird. Für den 24. März ist daher eine französisch-deutsche Auftaktdemonstration von Kehl über die Europabrücke geplant. Dazu trifft man sich um 13:00 Uhr am Bahnhof in Kehl. Infos über die Aktionen im Süden gibt es beim Aktionsbündnis Castor-Widerstand Neckarwestheim unter Telefon (07141) 90 33 63.
Den Auftakt für die "heiße Phase" der Proteste im Wendland bildet am 24. März die Großkundgebung in Lüneburg. An den beiden folgenden Tagen wird es Aktionen entlang der Bahnstrecke von Lüneburg nach Dannenberg geben. In dieser Zeit wird die Organisation "X-tausendmal-quer" eine große Sitzblockade in Wendisch Evern vorbereiten. Anders als bei den vorherigen Widerstandsaktionen wird der Transport bereits an der 50 Kilometer langen Bahnstrecke blockiert. Danach müssen die Castoren für den Straßentransport in Dannenberg auf Sattelschlepper umgeladen werden. Diese Zeit - die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg rechnet mit fünf bis sechs Stunden - soll genutzt werden, um den Transport ein zweites Mal auf der Straße zwischen Dannenberg und Gorleben zu blockieren.
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