Überspitzt gesagt wurden die meisten Grundprämissen der Kommunikationsforschung sogar schon vor über fünfzig Jahren postuliert. Dabei stehen das Kulturindustrie-Kapitel in der Dialektik der Aufklärung (1944) oder Max Webers schon 1910 gestellte und damit das Standartthema emanzipatorisch-materialistischer Medienkritik vorwegnehmende Frage, ob privatwirtschaftliches Profitstreben mit der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe von Massenmedien vereinbar seien, beispielhaft für die kritische Sicht. Der standen schon damals fortschrittsgläubige Autoren wie C.H.Cooley (1909) und Bela Balàzs (1930) gegenüber, die sich eine Aufhebung von Isolation und "Entfremdung" erhofften, indem sie den Medien die Fähigkeit zuschrieben, eine "Gemeinschaft" wiederherzustellen und aufklärerisch-demokratische Gedanken zu verbreiten. In diesen Zusammenhang gehört auf seine Weise auch Brechts aus dem Jahr 1932 stammende Radiotheorie eines öffentlichen, dezentralisierten Mediums, in dem jeder gleichzeitig Rezipient und Kommunikator sein sollte (eine Theorie, die Hans Magnus Enzensberger 1975 im Kursbuch unter dem Titel Baukasten zu einer Theorie der Medien mit einiger Vehemenz erneut aufs Schild hob.) Auf diese Theorie berufen sich gegenwärtig gerne die Apologeten des Internet. Ihr "Mythen-Baukasten einer Ideologie des Internet" heftet diesem Medium diverse Legenden wie etwa den "Demokratisierungs"-Mythos an, d.h. das Versprechen einer Art elektronischer Basisdemokratie, in der Regel einhergehend mit dem "Kommunikations-Mythos", dem Versprechen eines an Habermas gemahnenden herrschaftsfreien Diskurses wohlinformierter Individuen. Modernisierend hinzugefügt werden heute noch der "Mehr-Arbeitsplätze-Mythos" d.h. das Versprechen der Lösung aller wirtschaftlicher Probleme im Cyberspace, und abschließend der "Ökologische Gratiseffekte-Mythos", das Versprechen der unweigerlichen Behebung aller Umweltprobleme.
Als der Kursbuch-Gründer Enzensberger 1988 in seinem "Nullmedien"-Essay mit einem Streich und vollem Recht ganze Bücherregale larmoyanter kommunikationswissenschaftlicher Literatur zur Makulatur erklärte, konnte er kaum ahnen, daß er damit in schon nahezu hellseherischer Manier ein Verdikt ausgesprochen hatte über das, was Jahre später Stefan Bollmann als Herausgeber unter dem Titel Kursbuch Neue Medien. Trends in Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Kultur verzapfen lassen sollte. Angelehnt an eine Formulierung von Enzensberger geben Kursbücher laut Bollmann "Verbindungen an, zeigen aber nicht wo es langgeht. (...). Nachgerade ließen sich Kursbücher als Orientierungshilfen zum Verlassen von Standpunkten definieren." Diese etwas vage anmutende Zielvorgabe mündet bei Bollmann & Co. "nachgerade" in eine in fast allen Beiträgen wiederkehrenden, sich affirmativ an die Neuen Medien schmiegenden Argumentationsfigur: Das Ergebnis technologischer Entwicklung steht nicht fest. Dies und das, dieses und jenes können sie bringen. Es könnte natürlich auch vielleicht eventuell hier und da mal was unerfreuliches passieren, aber da man ja - leider, leider - nichts ändern kann, und da das Ergebnis ja nicht feststeht, müssen wir die Entwicklung halt mit aller Kraft ausprobieren und werden schon sehen, was dabei raus kommt. Es läuft stets auf nicht einmal mehr reformistisch zu nennende Bewältigungsstrategien und positives Denken in Reinkultur hinaus, die technischen Fortschritt unhinterfragt mit Entwicklung gleichsetzen. Kurz, die intellektuelle Pest der Zeit.
Aber schon bevor diese finalen Seifenblasen ausgestoßen werden, wimmelt es in den prosaischen, entkontextualisierten Spekulationen nur so von deskriptiven Plattitüden und Allgemeinplätzen ohne analytische Substanz, womit sie sich nahtlos in die kommunikationswissenschaftliche Forschungstradtion einreihen. Zudem enthalten viele der 33 Beiträge nahezu anachronistisch anmutende Fakten, da ihr Großteil schon in der ersten Auflage des Kursbuchs Neue Medien von 1995 enthalten war und nicht überarbeitet wurde.
Fahrplanauskünfte soll so etwas wie den Grundlagenteil darstellen. Bezeichnend ist Peter Glotz` von der Standortdebatte und dem Freihandelstheorem geprägte Forderung, angesichts der Weltmarktkonkurrenz kartellrechtliche Konzentrationskontrollen aufzugeben und Entflechtungspolitik ad acta zu legen, damit die Wirtschaft brumme und die Arbeitslosigkeit verschwinde. Man könne "das große, ökonomisch attraktive Deutschland nicht als medienökologische Insel in einem Meer der Privatisierung konzipieren." Nur unwesentlich besser geraten ist der Beitrag von Vilèm Flusser, dem 1991 verstorbenen "Medienphilosophen des 20. Jahrhunderts" (taz). Dieser resümiert zunächst: "Sollte die Bündelung (der Kommunikationsflüsse, G.U.) überwiegen, dann gehen wir einer verantwortungslosen, verdummenden, verkitschten und brutalisierten Lebensform entgegen. Vieles spricht dafür, so etwas voraussehen zu müssen." Um sich dann aber doch in eine Phantasie vernetzter Massenmedien hineinzusteigern, die "die Bündelung zerreißen können", was dann "die utopische Informationsgesellschaft" wäre, "worin wir einander verwirklichen" könnten.
Im Kapitel Umsteigen auf Hypertext geht es um Fragen nach der Lesbarkeit von Hypertexten in ihrer "Frontstellung gegen das ´Überkommene´" (Bernd Wingert), sprich: den linearen Buchtext. Hier wird nach dem "Schicksal"(Vilèm Flusser) von Büchern geforscht, nach der "Qualitätssicherung" innerhalb von Verlagen und Bibliotheken angesichts der "unorganisierten und schier unüberschaubaren Datenmenge"(Eno Rey) des elektronischen Publizierens. All dies vor dem Hintergrund, daß der "Cyberspace" angeblich "kein Gedächtnis"(Christoph Drösser) hat. Es ist der beste Teil der Buches, da er die sich entwickelnde Problematik recht umfassend skizziert, um sich dann freilich in die vermeintliche Bewältigung des scheinbar Unvermeidlichen zu stürzen.
Eingänge in den Cyberspace behandelt vornehmlich Datennetze und Virtual Reality. Jürgen W. Brückmann hat herausgefunden, daß in Mailboxen Raubkopien und "schmuddelige" Bilder gehandelt werden, dort sogar Neonazis präsent sind. Angesichts dieser Misere verfällt er auf den blendenden Einfall "eine Ethikkommission (ähnlich wie zum Thema Genforschung)" einzurichten, also eine dieser honorigen Institutionen, die strukturelle Probleme mit der gleichen Durchschlagskraft anzugehen geeignet sind wie ein bekiffter Goldhamster. Howard Rheingold sieht "computer conferencing" als eine potentielle Kraft, die in unserer fragmentierten Gesellschaft wieder so etwas wie ein "Gemeinschaftsgefühl" schaffen könnte, und tatsächlich sieht man schon die telekonferenzierenden Manager, wie sie nach Verkündung der neuesten Umsatzentwicklung durch ihre Bildschirme aufeinanderzukriechen. Ob dies möglich werde, hänge allerdings "davon ab, was du und ich heute wissen und tun", womit er ohne Zweifel nicht ganz daneben liegt, denn schließlich steht das "Ergebnis ... nicht fest." Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Eric Eichhorn in seinem Fazit zu "Möglichkeiten und Gefahren" von "Virtual Reality" resp. dem "Cyberspace". Ihm zufolge gibt es "kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als-auch", also "überlegen wir, was wir tun können, um die Entwicklung in diese Richtung zu lenken". Dora Traudisch liefert den obligaten Beitrag zu "Virtuellen Vibrationen, Digitalem Dating und Computer-Koitus" und resümiert sehr resolut ein deutliches "Warum nicht?".
Auffahrten auf die Datenautobahn widmet sich der Frage, ob es denn nun einen "electronic information super highway" oder einen "one way entertainment highway" geben wird, und Bollmann ringt sich dazu durch, daß man die "Infobahn" "besser nicht zur ausschlie§lich wirtschaftlichen Angelegenheit erklären sollte." Nun wird sich die Infobahn vermutlich sehr wenig darum scheren, wozu sie erklärt wird, zumal gleich anschließend der berühmt-berüchtigte "Bangemann-Bericht" der Europäischen Kommission folgt. Dieser stimmt, motiviert durch Torschlußpanik am "Standort Europa", euphorisierte Hymnen auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Chancen der neuen Technolgien an und will, durch kapitalistische Scheuklappen bedingt, die sich globalisierende Kommunikationstechnologie auf den maximalen Beschleunigungslevel bringen -durch gemeinsame Projekte von Staat (nicht-regulierend, aber unterstützend) und Privatwirtschaft. Gerhard Schub von Bossiazky liefert sofort den dazu passenden ideologischen Dreischritt nach, und zwar indem er "vom vernetzten zum virtuellen Unternehmen" übergeht, von dem zur "weltweiten Vernetzung der Wirtschaft" um abschließend bei "einer virtuellen Weltgesellschaft" zu landen. Versteht man unter Virtualisierung Entstofflichung oder gar Entmaterialisierung, so hat man es hier also schlicht mit etwas Nicht-Existenten zu tun.
Im Kapitel Kurs auf Biosphäre II kommt Florian Rötzer bezüglich des Zusammenspiels von Medien- sowie Bio- und Neurotechnolgien zu dem für dieses Buch so bezeichnenden Schluß des Multipotionalen: "Zwar werden die langfristigen Folgen des biotechnologischen Eingriffs weiterhin unvorhersehbar und riskant sein, aber unser Umgang mit Natur, mit unserem Körper und unserem Seelenorgan (sic!) hat ein andere Dimension erreicht, ist nicht mehr Schicksal, sondern ein Raum von Optionen." Einem ähnlichen Rationalitätswahn hängt Luc Steels an, der affirmativ die Vision einer Mischung aus "Homo Cyber Sapiens" und "Robot Homodius Intelligens" entwickelt, in der er die mögliche Vergrößerung des Gehirns mittels Implantaten zum einen als "natürlich" betrachtet, weil das der "Evolution" entspreche, und zum anderen aus den "ökologischen Zwängen" sogar die Notwendigkeit zu einer solchen "Entwicklung der Intelligenz" ableitet. Es kommt ihm nicht einmal die Frage in den Sinn, ob nicht möglicherweise die an der kapitalisitschen Logik orientierte Intelligenz resp. Rationalität, die er offensichtlich in einem Teilbereich ins absolute Extrem treiben will, eben eine jener Ursachen für die Entstehung der Zwänge sein könnte, deren Bewältigung er für notwendig hält.
Die abschließenden Einladungen in neue Kunsträume beinhalten unter anderem die ziemlich naiv anmutende Behauptung von Fred Forest, die neuen, technologiebeeinflußten Kunstformen stellten ein "Instrument erfinderischer Bearbeitung" dar, um die "für die Menschheit völlig neue Situation zu bewältigen". Ein würdiger Abschluß für dieses Buch.
Es ist kein Wunder, daß die zwei besten Beiträge des Bandes vordergründig weniger mit den neuen Technologien, sondern vielmehr mit an sie gekoppelten Lebens- und Denkstilen zu tun haben. Den interessantesten, nicht pseudo-wissenschaftlichen, sondern offen essayistischen Beitrag liefert die Agentur Bilwet unter dem Titel Der große Treck gen Cyberspace und es stellt sich angesichts seiner Qualität wirklich die Frage, wie der Text in diesen Band geraten ist. Anhand des Vergleichs der beiden Zeitschriften Wired und Mondo 2000 liefert der Agentur Bilwet eine Analyse von Geschichte, Gegenwart und möglicher Zukunft des "Westcoast-Mythos", der eine "positive Interpretation der Apokalypse" darstelle und zu einer "unbekümmerten Fröhlichkeit angesichts der Desintegration der westlichen Zivilisation" führe, zu einer "Lust am Untergang" als idealem Nährboden für die "Technokultur". Während die erstere Publikation unter dem etwas nachdenklicheren Motto "Why wired? Because in the age of information overload the ultimate luxury ist meaning and context" laufe, sammle sich letztere etwas unbekümmerter unter: "Die Technokultur ist unser Schicksal, dem wir nicht zu entgehen versuchen, sondern das wir zusammen zu füllen suchen sollten." Gemeinsam sei ihnen der "unerhörte Optimismus", der ihnen eigene, ungekränkelte Glaube an die "Wichtigkeit ihrer kuriosen Entdeckungen und Trends" und die Gewißheit, daß "der Rest der Welt schon hinterherziehen wird". Es scheint, als hätten sich die No-future-Generation und die esoterische Fünf-Sorge-Dich-nicht-lebe-Tibetaner-Fraktion zur Vereinigung all jener zusammengeschlossen, "die sich von rein gar nichts mehr die Laune verderben lassen"(Balsmeyer).
Der zweite brauchbare Text ist der von Thomas Gross zu den "Talking Technoheads", einer Techno-Analyse, die da weitermacht, wo die Agentur Bilwet aufhört. Gross schreibt: "Obwohl in der Technobewegung vom effektiven Antikapitalismus über Proto-Feminismus, umherschweifendes Rebellentum, Urchristentum, Technikmystizismus, Neo-Futurismus, wiedergeborenes Hippitum, Ethno-Romantizismus, Neo-Neo-und-immer-wieder-Machismus, Post-Rock-Vitalismus und Stammesnationalismus sich vieles überlagert und überschneidet, hat sich bislang nichts davon als dominant oder von außen kooptierbar erwiesen." Um dann doch zum Kern vorzustoßen: Die "ravende Zweidrittelgesellschaft als Maß aller Dinge" sei versehen einem "protestantischen Kern der Techno-Ideologie" und einer aufladbaren Neutralität, die es sowohl der Jungen Freiheit als auch einem Communist Parties Manifest erlaube, Techno für sich zu vereinnahmen. Dieser münde in "einer Art Lebensreformbewegung, die nicht mit allen Konsquenzen kapitalisitsch sein will, aber auch über keine Kritik der Produktivkräfte verfügt; die Wohlstand für alle verspricht, aber von Eigentumsverhältnissen und Interessen schweigt; die technokratisch an Machbarkeit glaubt, aber faktisch vor allem sich selbst damit meint."
Bis auf diese zwei Beiträge läßt sich aus Bollmanns Band nur eines lernen, und zwar, daß der Paradigmenwechsel der Medienkommunikation von kulturpolitischen zu wirtschafts- und industriepolitischen Zielsetzungen zwangsläufig zu einer Marginalisierung von selbst nur sozialpädagogischen Fragestellungen wie etwa nach Technikfolgenabschätzung, Medienverantwortung, gesellschaftlicher Integration, Sozialverträglichkeit oder der Relevanz der Inhalte führt. Die scheinbare Allgegenwart von Medien provoziert augenscheinlich dazu, ihnen gleichzeitig Allmacht zuzuschreiben und führt so zur Kapitulation bzw. Verhinderung ihrer Infragestellung, etwa mittels einer grundlegenderen Analyse dessen, was unter dem Label "Informationsgesellschaft" durch die Öffentlichkeit geistert. Auch wenn das jonglieren mit Marx-Zitaten häufig eher dazu führt, das eigene Denken einzustellen, wären als Ausgangspunkt einer solchen Frage Marx` Analyse der Aufgaben von Transport- und Kommunikationsmitteln zu nennen, zu finden in: Das Kapital. Band II. S. 25ff.
Die vielfach auch bei Bollmann & Co. wiederholten Versprechungen der Informationsgesellschaft" entpuppen sich bei näherem Hinsehen als ideologischer Mumpitz, eben als moderne Mythen aus dem Ideologiebaukasten. Dabei kann "Informationsgesellschaft" als Chiffre und euphemistischer Begriff für die auf Akzeptanzprobleme stoßende Industriegesellschaft gedeutet werden, der seinen Sinn schon dadurch einbüßt, daß die mit ihm designierte "Entstofflichung" (Virtualisierung) angesichts sich verschärfender Umweltprobleme offensichtlich nicht eintritt. Dazu tragen wiederum die Informations- und Kommunikationstechnologien selbst bei, indem sie die an ihre eigene Produktion gebundene Kapital- und vor allem Warenzirkulation beschleunigen, infolgedessen auch den Energie- und Stoffdurchsatz, wodurch sämtliche Effizienzsteigerungen wiederaufgebraucht werden.
Auch den anderen Verheißungen der "Informationsgesellschaft" widersprechen Forschungsergebnisse, die samt und sonders nicht aus der Kommunikationswissenschaft stammen. Demokratisierung wird es mittels dieser Technologien demnach weder global noch innergesellschaftlich geben, da der Zugang zu den Technologien stark begrenzt ist und ihre Entwicklung wie auch immer mehr ihre Inhalte von ökonomischen Interessen diktiert werden. Die Kommunikation zwischen den Menschen wird höchstens in Einzelfällen begünstigt und führt dann zur Bildung von bestimmten, abgeschlossenen Milieus. Ansonsten bleibt sie auf Unterhaltung und die Abwicklung von Geschäftlichem beschränkt. In diesen Bereichen finden die Iuk-Technologien ihre profitable resp. profitsteigernde Bestimmung. Arbeitsplätze durch die neuen Techniken schaffen zu wollen - mal ganz abgesehen davon, wie diese Arbeitsplätze (z.B. Telearbeit) dann aussehen - ist ebenfalls eine Illusion. Die IuK-Technolgien dienen der Rationalisierung, der Vernichtung von Arbeitsplätzen durch Effizienzsteigerung und Produktivitätserhöhung sowie der Verschärfung struktureller Arbeitslosigkeit.
Die ökologischen Kosten der Industrialisierung sind bis heute nicht absehbar, die sozialen Kosten der Mediatisierung der Gesellschaft sind es ebensowenig (Laut Virilio hieß "mediatisiert" bis zum 20. Jahrhundert "aller unmittelbaren Rechte beraubt"). Dennoch, oder gerade weil ja niemand weiß, wie sich alles ausgehen wird, gilt mehr denn je der Satz von Rainer Grießhammer: "Die Anpreisungen für die neuen Informations- und Kommunikationstechnolgien sind geradezu lächerlich, aber wie immer erstaunlich wirksam... Dabei drohen die Zerschlagung sozialer Strukturen, die Zersplitterung traditioneller Lebenswelten, Vereinzelung und Datenkontrolle in Orwell`schem Ausmaß, genauso wie ein erneutes Anheizen des Konsums durch Teleshopping, Ressourcenberbrauch und Berge von Elektronikschrott." Die Diskrepanz zwischen der angestrebten bzw. in großen Teilen schon erreichten Einseitigkeit der Wahrnehmung und der Komplexität der Problematik ist frappierend. Bollmanns Band bietet hier nur die aufgeblasene Version dessen, was Medien und Auftragsforschungen permanent kolportieren.
Die globalen Kommunikationsnetze bzw. die Entwicklungen, die sie unterstützen und die von ihnen gestützt werden, sind ein mehr als nur ambivalenter Vorgang. Solange die "Segnungen" der "Neuen Medien" nicht allen Menschen gleichverteilt zugute kommen - das wäre eine Frage von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in einer Zeit narkotisierter Willenlosigkeit - besteht für "Technikgläubigkeit" à la Bollmann & Co. keinerlei Anlaß. Es muß fundierter geforscht und Kritik geübt werden. Alles andere bliebe virtuelle Makulatur.
