1982 machte ich dann meine ersten eigenen Rezeptionserfahrungen. Auf Basis des von Horst Hrubesch locker rausgespielten EM-Titels zwei Jahre zuvor ging ich davon aus, dass für schwarzbehoste Männer eine Art Naturrecht auf den Titel vorliege. Mit der Auftaktniederlage gegen Algerien ging ein gewisses Erstaunen einher, das dann aber spätestens in Gijon getilgt wurde. Der Rest war Gewurschtel auf hohem Niveau und plötzlich war auch schon Finale, wenn es auch seltsamerweise verloren ging. Aber durchweg schlecht gespielt und trotzdem Zweiter, das war doch auch schon was. Vier Jahre später gab es die gleiche Vorstellung nochmal, nur in etwas längeren Hosen. Im Prinzip läuft es mittlerweile kaum anders. Deutschland spielt in der postfaschistischen Hälfte des Tableaus, zusammen mit Paraguay, Spanien und Italien. Die Spiele sind eher mau und nötigenfalls kampfbetont. "Ein Pferd springt auch nur so hoch, wie es muss", so DFB-Delegationsmitglied Erich Rutemöller.
Der englische Mittelfeldspieler Trevor Sinclair kommentierte die müde Vorrundenabschlußpartie seines Teams gegen Nigeria, bei dem von vornherein feststand, dass England ein Unentschieden fürs Weiterkommen genügen würde, mit den Worten: "Das war eine professionelle, fast eine deutsche Vorstellung". Und eine Studie der niederländischen Großbank ABN Amro besagt, dass sich DFB-Siege mit nur einem Tor Unterschied positiv auf die deutsche Exporteure auswirken werden, denn "es würde bestätigen, was ausländische Verbraucher über Erzeugnisse 'Made in Germany' schon wissen: Die sind vielleicht nicht immer extravagant und elegant aber sie sind gut, haltbar und wirkungsvoll." Soviel nur zur Koinzidenz von Form und Inhalt.
