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Ausgabe 12.0 - 01.03.2004
   

Attak attac

"Keine Gewalt gegen den Kapitalismus" - so will es die außerparlamentarische Sozialdemokratie von attac. / Von Heiko Balsmeyer


Das Buch "attac – Was wollen die Globalisierungskritiker" ist so ärgerlich wie enthüllend. Es wird durchzogen von dem Versuch, die Globalisierungskritiker einzuhegen und stubenrein zu halten. Da die Autorin und ihre beiden Kollegen schon längere Zeit im publizistischen Gewerbe sind, beherrschen sie verschiedene Strategien der Manipulation.

So wird – hier mit Bezug auf die Gewalt in Genua – gespalten: "Eine Minderheit verunglimpfte die Anliegen der Mehrheit", denn "Ohne Zweifel, die "Schwarzen Blöcke" der halbwüchsigen Demonstranten sind ein Problem". Die "Einschränkung der Reisefreiheit für unbescholtene Demonstranten" wird bedauert, weil man sich von den bescholtenen "halbwüchsigen" ja schon deutlich genug distanziert hat. Überhaupt, wofür brauchen die eigentlich Reisefreiheit?

Am Gründungsaufruf für Attac, verfasst vom Herausgeber von "Le Monde diplomatique", Ignacio Rammonet, gefällt ihnen besonders ">ein< Ziel – die demokratische Kontrolle über das Finanzkapital der Spekulanten und Fondsgesellschaften – ohne die "Abschaffung des Kapitalismus" zu fordern oder zu letzten Gefechten aufzufordern." Immer schön bescheiden bleiben.

Teile der Bewegung werden als "mit ihren radikal wirren Weltrevolutionsideen agitierenden Trotzisten" denunziert. Was sollte das auch sein, eine Revolution oder gar eine Idee?! Besonders zu begrüßen: "Keine Marx-Schulungen an heiligen Texten wie früher." Vielleicht wäre es ohne Seligsprechung lehrreich gewesen.

Für die Praxis ganz besonders wichtig: "Ebenso wenig dürfen Personen oder Gruppen mitarbeiten, die Gewalt als politisches Mittel akzeptieren." Allerdings ist nicht bekannt, dass Mitglieder der SPD und der Grünen nach der Bombardierung Serbiens nicht mehr mitmischen durften.

Kritik wird weggebügelt. So wird der Bundeskongress der entwicklungspolitischen Gruppen (Buko) mit der – wenn das Zitat stimmen sollte - richtigen Aussage zitiert, attac sei eine "außerparlamentarische Sozialdemokratie". Als Motiv wird "Eifersucht...gegenüber der viel beachteten neuen Konkurrenz auf dem Markt oppositioneller Initiativen" unterstellt. Kann ja schließlich nichts dran sein an der Aussage.

Als Ratschläge werde noch mit auf den langen Marsch gegeben sich nicht "unproduktiv radikalisieren" zu lassen, enger mit den Gewerkschaften zusammenzuarbeiten und sich vor allem "die Steineschmeißer vom Hals zu schaffen."

Tiefpunkt ist die Empfehlung eines interviewten Bankers, nach der "die einzig erfolgreiche Strategie das Einlassen auf das System" sei. Um nichts anderes geht es in diesem Buch.

Christiane Grefe, Mathias Greffrath und Harald Schumann 2002: attac. Was wollen die Globalisierungskritiker? Berlin: rowohlt. 222 S. 12,90 €.



 
   
   
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