Logo
titel inhalt update archiv links impressum mail
suchen

Ausgabe 8.1 - 15.12.2001
   

Die Energie der Zukunft

Der Umweltminister bestellt sich ein Gutachten


Oft wird im Zusammenhang mit dem notwendigen Ausstieg aus der Atomenergie gefragt, wie künftig eine sichere, klimaverträgliche und preisgünstige Energieversorgung aussehen könnte. Die ausgewiesenen Energieexperten Manfred Fischedick, Ole Langniß sowie Joachim Nitsch, Forscher am Wuppertal-Institut und beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, geben darauf eine richtige und eindeutige Antwort: Die Zukunft der Energieversorgung liegt im Ausbau erneuerbarer Energien.

"Nach dem Ausstieg. Zukunftskurs Erneuerbare Energien" ist eine popularisierte Kurzfassung einer Studie für das Bundesumweltministerium. Die Autoren machen die Leser zuächst mit der technischen Seite erneuerbarer Energien bekannt und unterstreichen deren Bedeutung für ein nachhaltiges Energiesystem der Zukunft. Als Ziel bis 2010 sehen die Verfasser - dabei brav den Anforderungen des Auftraggebers folgend - die Verdopplung des Anteils erneuerbarer Energien an der Strom- und Wärmeproduktion. Langfristig, d.h. bis zum Jahr 2050, halten sie einen Anteil von 60% für möglich. Bis zu diesem Zeitpunkt ist ihrer Auffassung nach auch eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 80% machbar.

Die Energiepolitik der Bundesregierung wird - wie sich das für eine Legitimationsstudie gehört - lobend gewürdigt. Besonders hervorgehoben wird das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), das 100.000-Dächer-Programm zur Förderung von Fotovoltaik ("weltweit das bisher größte Photovoltaik-Förderprogramm"), das Marktanreizprogramm zur Förderung der Nutzung erneuerbarer Energien sowie die ökologische Steuerreform. Die Kritik der Autoren ist eher indirekt: "Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus, um die Verdopplung der erneuerbaren Energien bis 2010 zu erreichen." Doch vergeblich wartet der Leser anschließend auf eine genauere Untersuchung der sich hier aufdrängenden Fragen, woran denn die bisherigen Anstrengungen scheitern und welche zusätzlichen Maßnahmen oder Modifizierungen des angewendeten Instrumentariums notwendig wären?

In der Auseinandersetzung um das beste Förderprogramm positionieren sich die Autoren eindeutig. Sie präferieren das System gesetzlich garantierter Mindestpreise, wie sie das EEG gewährt. Das englische Ausschreibungsmodell und das Quotensystem haben sich - zumindest im Bereich Windkraft - nicht bewährt: "Von den insgesamt knapp 8000 Megawatt installierter Windkraftleistung in den sechs Ländern mit den meisten Anlagen standen 95 Prozent in Staaten mit gesetzlichen Mindestpreisregelungen!" Für die Zukunft halten sie aber ein europäisches Quotensystem für durchaus denkbar. Im Markt für grünen Strom wird von ihnen zurecht nur eine Nische gesehen. Dieser stellt für sie "keine Alternative zur öffentlichen Förderung dar, durchaus aber eine wichtige Ergänzung."

Das Maßnahmenpaket von Fischedick, Langniß und Nitsch über das Jahr 2010 hinaus enthält eine CO2-Quote, das übliche Mantra der Internalisierung externer Kosten, als ein Mittel zu diesem Zweck die Fortführung der ökologischen Steuerreform und die Beendigung der Subventionierung fossiler und nuklearer Energien. Gerade der letzte Punkt verdient bereits heute deutlich mehr Aufmerksamkeit als ihm bisher zuteil wird.

Das Buch zeichnet sich sicherlich durch seine hohe Verständlichkeit aus. Dies ist auch der Tatsache zu verdanken, dass der Text von einem Lektor, Thomas Menzel, vor der Veröffentlichung redaktionell bearbeitet wurde. Ein leserfreundliche Notwendigkeit, die von vielen Verlagen leider mittlerweile als unnötiger Luxus angesehen wird. Die Autoren schaffen es, die komplizierten Zusammenhänge der Energiepolitik zu vereinfachen und einen breiten Überblick zu geben. Einige Ausführungen und Begründungen sind dabei leider zu knapp geraten. Insgesamt handelt es sich um ein lesenswertes Buch, besonders für Einsteiger.

Fischedick, Manfred; Langniß, Ole und Nitsch, Joachim 2000: Nach dem Ausstieg. Zukunftskurs Erneuerbare Energien. Stuttgart: Hirzel Verlag. 208 S. 32.- DM.



 
   
   
O&V