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Russische Ideen zur Lösung des Konfliktes
Ausgabe 11.0 - 01.03.2003
   

Kapitalismus doch nicht abgeschafft

New Economy doch kein Kommunismus


Neue Medien lassen sich unterschiedlich betrachten. Noch vor gar nicht langer Zeit schien die Welt dank technologischer Quantensprünge wie WAP auf dem direkten Weg ins Nirvana. Der Stern beispielsweise analysierte den Mythos der New Economy folgendermaßen: "Das Wireless Application Protcol (WAP) bringt das Internet aufs Handy-Display, indem es ungefähr eine Trilliarde technisch nicht konformer Webseiten ignoriert und den Rest auf spartanische, vierzeilige Textmaggiwürfel zusammenschiebt. Die Effizienz der neuen Kommunikationsmethode erinnert dabei an Rauchsignale, die man mit einem Lagerfeuer erzeugt, das aus Geldbündeln betrieben wird."

Der Mythos macht auch, "dass wir dieselben Filme, die wir auch im Kino sehen können, als Briefmarkenversion im Internet (zeigen), in einer Bildqualität die grausam ist, und nennen es Streaming-Video und tun so, als hätten wir damit den Film revolutioniert"(Tim Speed). Mittlerweile finden Analysten gehör, die den Mythos kritisieren: "Mehr als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt der Geschichte sieht sich die Menschheit heute an einem Kreuzweg. Ein Weg führt in Verzweiflung und äußerste Hoffnungslosigkeit, der andere in totale Vernichtung. Wir wollen hoffen, dass wir klug genug sind die richtige Wahl zu treffen" (W. Allen).

Eine andere Betrachtungsweise wählt Joachim Bischoff in "Der Mythos der New Economy. Die politische Ökonomie der Neuen Medien". Ihm es geht dabei vor allem um die Frage, inwieweit der von ihm so genannte "Digitale Kapitalismus" eine neue lange Welle, ein neues Akkumulationsregime repräsentiert, die auf dem Mythos Informationsgesellschaft basiert. So schreibt er zunächst eine empirische Geschichte kapitalistischer Akkumulationsregime und gesellschaftlicher Produktionsweisen, die dann doch nur in einer Momentaufnahme und den Antworten "Man weiß es nicht so genau" sowie "Eher alles alter Wein in neuen Schläuchen" mündet. Politstrategisches Ergebnis seiner Überlegungen die weichgespülte Konfrontation von Neoliberalismus und "Neuer Sozialdemokratie".

Aufgrund hölzerner Formulierungen und fehlender Prägnanz der Argumentationsketten, die kaum jemals in Ergebnissen oder wenigstens Thesen münden, die über das Selbstverständliche hinausgehen, hinterlässt das Buch einen faden Beigeschmack. Sicherlich alles gut gemeint, aber weder eine angenehme Lektüre noch die Erkenntnis fördernd. "Schlussfolgerung: Die Neue Ökonomie, mit dem Internet als Zentrum, ist eine großartige Innovation. Die alten Regeln der kapitalistischen Ökonomie gelten aber auch in der New Economy." (Bischoff, S. 11) Ach wirklich?

Joachim Bischoff: Der Mythos der New Economy. Die politische Ökonomie der Neuen Medien. Hamburg: VSA 2001, 172 S., € 12,80



 
   
   
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