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Ausgabe 6.0 - 01.12.2000
   

No future?

Subkultur ist tot, es lebe ihre diskursive Verwertung


Mittlerweile zwei Jahre liegt das Treffen zurück. Bereits 1998 waren HistorikerInnen und SoziologInnen auf einer Tagung des "Arbeitskreises Soziale Bewegungen" zusammengetroffen, um ihrem gemeinsamen Ziel näher zu kommen: Sie wollten "neuen Schwung in die Debatte über Jugendliche, Politik, Kultur und Protest bringen." Dies schien ihnen "umso notwendiger, je stärker die öffentliche Diskussion von Negativbildern über Jugendliche beherrscht wird". Fünfzehn auserwählte Forschungsansätze dieser Tagung sind nun veröffentlicht worden. Dass dabei nicht immer Neues zu Tage tritt, war zu erwarten und so werden in den vorliegenden Aufsätzen sogar eher schon bekannte Fakten wiederholt. Dennoch treten sie in neuartigen Analysezusammenhängen auf, und dadurch erhält das vorliegende Kompendium seine Stärke. Die Textsammlung lässt den Leser in zig verschiedene Jugendliche hineinschlüpfen und die Welt aus deren Augen betrachten. Das sieht nicht immer schön aus und obendrein kriegt auch die Gesellschaft ihr Fett ab. Ob es um den "Punk als politische Provokation" oder um das Verständnis der Jugendlichen von Protest geht, immer scheint der Übeltäter ausgemacht zu sein: die sie erziehende und prägende soziale Umwelt. Doch zuerst findet sich in dem Buch eine etwa dreißigseitige Einleitung der Herausgeber. Hier sind deren Erkenntnisse über die Entwicklung der Jugend von Beginn dieses Jahrhunderts bis in unsere Tage dargestellt. Dabei wird so differenziert und detailliert vorgegangen, dass man diese Einleitung als einen Einblick in die Seele der Jugend betrachten kann. Leider verlieren die folgenden Aufsätze an Faszination, weil sie sich sehr spezialisiert um jeweils nur einen Teilbereich kümmern. Zudem werden auf den durchschnittlich 17 Seiten pro Thema eher Problematiken angerissen, als Forschungsgegenstände von Grund auf analysiert. Über solche Mängel kann jedoch hinweggesehen werden, denn wie es im Vorwort schon heißt, es soll "eine Diskussion stattfinden" - keine im Vorhinein totgeredet werden. Zeichnet sich der Sammelband einerseits durch seine Analysezusammenhänge aus, so ist andererseits ebenso die Empiriefülle der vorliegenden Untersuchungen beeindruckend. Während viele andere Forschungen zum Thema sich mit unwichtigen Details aufhalten, dass heißt durch diese "Gründlichkeit" tendenziell ihre Schwäche offenbaren, hat man bei diesem Buch den Eindruck, dass die Details die dargelegten Argumente noch vertiefen und anschaulicher werden lassen. Eine Diskussion anhand der dargelegten Zusammenhänge rund um Jugendkulturen kann also stattfinden, oder vielmehr: beginnen.

Jürgen Kleinert

Roland Roth/Dieter Rucht (Hrsg.)(2000)Jugendkulturen, Politik und Protest. Vom Widerstand zum Kommerz? Opladen: Leske + Budrich Verlag, 300 S., 48.- DM.




 
   
   
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