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Ausgabe 7.0 - 22.03.2001
   

Vorsicht Ringvorlesung!

Krieg, Geschlecht und Gewalt


"Allen Beiträgen geht es darum, einige der fach- und praxisspezifischen Gender-Perspektiven zu Krieg und Gewalt sowohl in Bezug auf die Vergangenheit, als auch die Gegenwart zur Diskussion zu stellen und in einem Dialog zu reflektieren, um das Verstehen einiger, in unserer Geschichte gesellschaftlich und kulturell bedingter Zusammenhänge zwischen Krieg, Geschlecht und Gewalt zu fördern." (S. 15) Wenn Sie in Sammelbandeinleitungen solche Sätze antreffen, sollten Sie hellhörig werden. Denn sie verweisen darauf, daß es in den Beiträgen um alles und nichts gehen wird, zusammengehalten nur durch eine begriffliche und formale Struktur. Wissen Sie zudem, daß es sich bei dem formalen Zusammenhang um eine Ringvorlesung handelt, noch dazu zu einem aktuellen Thema, und haben sie jemals eine solche Veranstaltungsreihe besucht oder gar organisiert, dann müssen Sie wohl nicht mehr gewarnt werden, dann wissen Sie, was auf Sie zukommt: ein buntes Sammelsurium an Beiträgen, deren innere Verbindung zumeist nur eine lockere ist. Anlaß der dem hier vorgestellten Band zugrundeliegenden Ringvorlesung an der Universität Graz waren die Debatten um die im Dezember 1997 in der steirischen Hauptstadt gezeigte "Wehrmachtsausstellung", in der die Geschlechterdimension – wie auch an anderen Orten und in der Ausstellung insgesamt – völlig fehlte. In den insgesamt zwölf Beiträgen wird die Wehrmachtsausstellung selbst jedoch kaum behandelt, direkt nimmt nur der Beitrag der Philosophin Elisabeth List darauf Bezug, doch in ihrer Konzentration auf den Aspekt der Auseinandersetzung mit "Schuld" in der politischen Kultur stellt sie nur am Rande eine Verknüpfung mit geschlechtertheoretischen Überlegungen her. In den anderen Beiträgen finden sich literaturwissenschaftliche, historische und kunsthistorische, erziehungswissenschaftliche, psychologische, psychoanalytische und psychotherapeutische Herangehensweisen.

Doch wenn ein Aufsatz über "Psychotherapeutische Betreuung von kriegstraumatisierten Frauen" von solchen über "Geschlechtsidentitäten und Gewalt im Frühmittelalter am Beispiel der Geschichtsschreibung Gregors von Tours" sowie von "Gedanken zur Wirksamkeit symbolischer Geschlechterkonstruktionen" eingerahmt wird, ohne daß in den Beiträgen selbst oder wenigstens in der Einleitung eine Verbindung zwischen diesen hergestellt würde (bzw. werden könnte), dann wird nicht nur die im wissenschaftlichen Feld übliche Untugend perpetuiert, gegenseitiges Desinteresse euphemistisch als "Interdisziplinarität" zu deklarieren, sondern auch der hehre Anspruch einer Theorie-Praxis-Verbindung wird nicht im mindesten eingelöst.

Der vorliegende Sammelband kann deshalb als ein besonders offensichtliches Beispiel für die problematische Konstitution des akademischen Feldes gelten, die auch vor einer sich selbst zumeist als wissenschaftskritisch verstehenden Frauen- und Geschlechterforschung nicht halt macht. Was als lokale Diskursintervention in Form einer Ringvorlesung möglicherweise noch sinnvoll sein kann, erweist sich in seiner mutmaßlich unbearbeiteten Transformation in einen Sammelband als ein Projekt, dessen Wert zuallererst in der Akkumulation wissenschaftspolitischen Kapitals liegt: für die überwiegend an der Universität Graz lehrenden Autorinnen sowie für die mitherausgebende "Koordinationsstelle für Frauenforschung und Frauenstudien Graz".

Barbara Hey/Cécile Huber/Karin M. Schmidlechner (Hg.): "Krieg: Geschlecht und Gewalt" Leykam, Graz 1999, 206 Seiten, 34,30 DM



 
   
   
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