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Das falsche Lächeln der Toleranz
Ausgabe 6.0 - 01.12.2000
   

Bully Blödmann im Konflikt mit der Redaktion

Dokumentation einer Auseinandersetzung


Liebe Leser von Ornament und Verzechen,

vor meinem letzten Beitrag für dieses Magazin bekam ich einen Artikel über das Gesetz der Serie in die Hand, den ich damals nicht verstand und erst dann auf mein Leben übertragen konnte, als ich an die nächste Begegnung mit dem grimmigen O&V - Redakteur nachdachte: Würde er - wie die vergangen Male - wieder all meine intellektuellen Bemühungen und Betrachtungen über Probleme dieses unseres Lebens einfach vom Tisch wischen? Mit einer geringschätzigen Handbewegung? Würde er wieder ein "Exposé" genanntes Pamphlet auf eben diesen Tisch legen und sagen, ich solle mich damit beschäftigen oder es sein lassen? Würde die Blödmann Corner, die ich mir so sehr in der O&V wünsche, verflucht sein, ihre Verwirklichung in einer stillen Ecke der Unendlichkeit abzuwarten? Lähmende Unsicherheit, gesteigert durch das Bewußtsein für das Schicksalshafte dieser dritten Begegnung, von deren Ausgang alles abhing: geht es für immer so weiter oder nicht. Doch ich wollte etwas tun, wollte einen Ausweg finden, wollte nicht wieder eine für mich so erniedrigende Konfrontation.

Mir war mit einem Mal so vollkommen klar, dass ich es war, der sich bewegen musse. Denn auch wenn es sich bei dem Redakteur um einen progressiven und engagierten und früher bestimmt friedensbewegten jungen Mann handelt, er steckt ja nun mal in seiner Haut und kann vielleicht gar nicht anders, folgt vielleicht einfach nur einem inneren Drang, jedes Mal meine Vorschläge vom Tisch zu wischen. Ich wollte also Bewegung in die Sache bringen und überlegte: Diesmal würde ich ihn treffen, ihn direkt nach dem "Exposé" fragen, würde ihm Wertschätzung entgegenbringen und mich für die vorbereiteten Themen interessieren. Und das klappte auch sehr gut: Ich wieder im karierten Hemd, er wieder mit missmutigem Gesicht. Ich schätze ihn erst einmal wert und sage ihm, wie toll ich das finde, das er immer die ganze Verantwortung für die O&V auf sich nimmt und das er das so ernsthaft macht. Er erwidert, das es ja Zeit wäre, daß das mal anerkannt würde, weil er ja eh die ganze Sch...[eiße] immer alleine machen müsse. Ich frage nach dem "Exposé" und er fragt, ob ich nicht vielleicht schon wieder irgendwelchen Mist zusammengekritzelt hätte, während er mir ein dichtbedrucktes Papier unter die Nase hält. Aber das stört mich nicht. Ich habe schließlich beschlossen, auf gute Kommunikation zu achten, nach Lösungen zu suchen, nicht nach Konflikten. "Nur was du annimmst, veränderst du!", sagt eine alte Regel, und ich wollte ihn annehmen, den Redakteur. Das Problem wurde nur das "Exposé". Da stand fettgedruckt: "Das Online-Magazin Ornament und Verbrechen bereitet den nächsten Krieg vor. Helft mit!". Wen wollte ich da annehmen und an meiner Brust nähren? Einen Kriegstreiber? War ich dafür auf die Straße gegangen? Gegen Golfkrieg, Luftangriffe und die anderen Sachen? Habe ich mir dafür während der langen Sitzblockaden Hämorrhoiden geholt, daß ich immer noch keinen Abort besuchen kann, ohne mir danach den halben Mastdarm wieder ins Leibesinnere zurückschieben zu müssen? Dafür Dresche von den Bullen bezogen, daß mich jetzt so ein Scheinlinker zur Unterstützung der Kriegsvorbereitung anhält? Da hört bei mir der Verständigungswille auf. Der weiß ja gar nicht, was Krieg ist, der hat noch nie gemeinsam mit dem Exmann seiner Freundin deren neue Wohnung renovieren müssen, der war nicht dabei in Wackersdorf, der hat nicht jahrelang mit einer Frau das Bett teilen müssen, die unter deutscher Schwermut und Lebensallergie litt und bei jedem Trennungsversuch sofort mit Selbstmord drohte, dieser Knülch, schreit tagsüber vom Energiesparen und tobt sich abends in seinem Zweisitzer aus und jettet von einer Party zur nächsten.... Der weiß doch gar nicht, wie das Leben wirklich ist! Krieg vorbereiten! Kann mich mal, der! Und drauf geschissen auf Annehmen und Verständigung!

Bully Blödmann, une biere von geringem Verstand




 
   
   
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