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Falsche Patrioten belügen das Volk
Ausgabe 11.0 - 01.03.2003
   

New York Bitches

Joey Arias und Sherry Vine im BKA-Luftschloß


Es ist der 16. Oktober, Berlin-Mitte, es regnet. Das BKA Luftschloss lädt zur Premiere einer neuen Show von Joey Arias und Sherry Vine. Zwei Frauen. Nein, zwei Männer. Der Name der Show klingt vielversprechend: "Sinsation". Der Apfel, die Eva, das Paradies und so.

Als sich der Vorhang hebt – der Vorhang konnte sich nicht heben, weil es im BKA keinen gibt – treten zwei Männer in Frauenkleidern vor das nicht allzu zahlreich erschienene Publikum. Arias & Vine, angekündigt als "die unbestrittenen Topstars der US-Travestieszene", begeistern die meist schwule Klientel des Abends in erster Linie mit Songs, die an den Broadway und das Amerika der 30er Jahre erinnern, mit seinen verruchten Clubs, Strip-Shows und zwielichtigen Persönlichkeiten.

Obwohl die wechselnden Kleider und Kostümperlen durchaus nicht hässlich sind und manch ein Hauch von Nichts durchaus angenehm ins Auge fällt, es ist weniger die Optik der Akteure, die lockt. Es sind vielmehr die Stimmen. Man sagt beiden Qualitäten zwischen Aretha Franklin, Billie Holiday und Liza Minelli nach – was zu bestätigen ist. Vokal geht alles klar. Ausgebildete Stimmen halt. Geschmacklich völlig unbeurteilt bleibe der musikalisch und kompositorisch durchaus schätzenswerten Gert Thumser. Sagen wir einfach, zwei Zentner in zartes rosa gehülltes Gefühl.

Arias und Vine zelebrieren jedes ihrer Duette und Soli mit Verve und Pathos. Sogar witzig sind sie manchmal. Balsam in Zeiten politischer Herbsttage und kultureller Haushaltslöcher.




 
   
   
O&V