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Russische Ideen zur Lösung des Konfliktes
Ausgabe 9.0 - 08.02.2002
   

Nirgendwo ist Wien schöner als in Österreich

Von Blunzn und der nordische Nachbar - das WienBerlinFestival 2001


Wien resp. Österreich sind hierzulande nicht gerade bestens beleumundet. Das liegt nachvollziehbar an Gestalten wie Hans Moser, Peter Alexander und Adolf Hitler, aber auch an einer Vielzahl maßlos übertriebener Vorurteile gegenüber diesem "kleinen, schnitzelförmigen Land" (Titanic). Diese beginnen bei der neckischen Repetition landestypischer kulinarischer Spezialitäten (Powidltaschen, Blunzn), setzen sich fort in der Vorstellung, in Wien reite jedermann am Sonntag auf Lippizanern über die Ringstrasse, und sie enden in völlig beliebigen Verleumdungen, die im "Altreich" nur allzu gern geglaubt werden.

Denn selbst die sogenannten "Antideutschen" haben in Österreich ein Hassobjekt gefunden, an dem sie ihren chauvinistischen Nationalcharakter ein bißchen ausleben können. Der bundesdeutsche Blick auf Österreich läßt sich letztlich in einem einzigen Satz zusammenfassen: Man traut der "Alpenrepublik" (Tourismusinformation) so ziemlich jede Schweinerei zu, nimmt es aber nicht weiter ernst und kann daher auf nähere Betrachtungen verzichten.

So geraten selbstredend einige Phänomene ins Jenseits der Wahrnehmungstopographie. Hierzu gehört zweifelsohne die nicht eben innovationsarme Kulturszene, mit der sich Wien im deutschsprachigen Raum lediglich vor Berlin fürchten muß. So lag denn auch eine gewisse Chance darin, in der ersten Oktoberhälfte des vergangenen Jahres die Deutschland-Auftritte von einigen herausragenden österreichischen VertreterInnen der Kabarett- und DJ-Szene zu bündeln. Doch sie wurde, es sei gleich vorweg gesagt, vertan. Und zwar durchaus mit System.

Denn der euphemistisch WienBerlinFestival getaufte Reigen fand weitgehend ohne Berliner Beteiligung statt, sowohl auf der Bühne als auch an den Turntables. Das Publikum wies ebenfalls einen erstaunlich hohen Anteil an Exil-Österreichern auf, denn diese wussten offenkundig, was sie sich erwarten konnten. Anders die Normalberliner. Sie dürften allenfalls von Josef Hader schon einmal gehört haben, zumal dieser es kurz zuvor mit Komm, süßer Tod in die deutschen Kinos geschafft hatte.

Einen der wenigen bundesdeutschen Beiträge lieferte ausgerechnet die schon ewig abgehalfterte Nervenziege Nina Hagen, die sogar das Eröffnungsprogramm bestreiten durfte. Auch das Aufbieten von Noch-nicht-mal-Lokalgrößen wie der Space Hobos oder Knorrkator dürfte von den österreichischen Gästen als Signal verstanden worden sein, in Berlin als Gegner nicht wirklich ernstgenommen zu werden. Und so verhielten sie sich dann größtenteils auch.


Stermann & Grissemann lieferten eine sagenhaft unmotivierte Vorstellung ab und boten den nachfolgenden Space Hobos eine erstklassige Möglichkeit, sich vor heimischem Publikum zu profilieren. Und auch Josef Haders Darbietung seines Dauerbrenners Privat erreichte nicht einmal ansatzweise die von ihm gewohnte Qualität. Mehr noch daneben ging die Programmkopplung mit den Wiener Top-DJs Pulsinger & Tunakan bzw. Electric Indigo. Das Kabarett-Publikum zog dem Musikgenuß das große "Woandershin-Walking" (Max Goldt) vor, ein neues aber mochte sich - im für Tanzveranstaltungen auch nicht uneingeschränkt geeigneten BKA-Zelt -nicht einfinden.


Was von den Veranstaltern als "kulturelle Begegnungen zwischen den beiden größten deutschsprachigen Kunst- und Kulturmetropolen" angekündigt wurde, erwies sich letztlich als Einbahnstraße. Sollte die Veranstaltung 2002 in Wien eine Neuauflage finden, dürfte sie wohl deutlich gelungener ausfallen. Denn dort ist man seit je her gezwungen, sich mit Besuch aus dem großen nordischen Nachbarland interessiert zu befassen.




 
   
   
O&V